Einkaufen in China: Was mag wohl in diesem Laden angeboten werden? Fotos: O. Zwahlen

Einkaufen in China: Was wird wohl in diesem Laden angeboten? Fotos: O. Zwahlen

Einer der Gründe, wieso China als schwieriges Reiseland gilt, ist die Sprache: Insbesondere auf dem Land gibt es wenig Menschen, die Englisch sprechen. Vieles ist nur mit chinesischen Zeichen angeschrieben – und schnell mal die Sprache lernen, das liegt nicht drin. Trotzdem brauchst du dir keine Sorgen zu machen, wenn du diese sechs Tipps berücksichtigst.

Es lässt sich nicht schönreden: Die Kommunikation in China ist eine Herausforderung. Aber keine, die du nicht meistern könntest. Als ich vor bald 15 Jahren das erste Mal im Reich der Mitte war, sprach ich noch kein einziges Wort Chinesisch. Trotzdem reiste ich etwa sechs Wochen lang durch das Land und besuchte dabei auch abgelegene, ländliche Regionen. Probleme hatte ich dabei nie.

Auch wenn ich inzwischen einigermassen vernünftig mit den Menschen kommunizieren kann, habe ich bis heute nicht viel mehr als 200 chinesische Schriftzeichen gelernt. Das erlaubt mir, auf Bussen die meisten Städtenamen zu lesen, aber eine Zeitung verstehe ich nicht. Trotzdem habe ich in China die hinterste Ecke des Landes besucht. Dazu braucht es keine besonderen Fähigkeiten, sondern nur etwas Mut und Überwindung.

Insbesondere auf meinen ersten Reisen habe ich einige „Überlebensstrategien“ entwickelt, die ich heute mit dir teilen möchte. Wenn du die folgenden sechs Tricks berücksichtigst, wirst auch ohne richtige Sprachkenntnisse eine tolle Zeit in China verbringen.

1. Identifiziere Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen

Es gibt Millionen von Chinesen, die nahezu perfekt Englisch sprechen. Noch mehr gibt es, die in der Lage sind, mit einfachen Sätzen zu kommunizieren. Natürlich ist die Bildung in den Städten besser als auf dem Land. Aber auch in kleineren Kreisstädten gibt es genügend Chinesen mit Fremdsprachkenntnissen. Du musst sie nur identifizieren können.

Was du dabei wissen musst: Ausländer geniessen in China generell ein hohes Ansehen und die meisten Leute, denen du begegnest, wollen dir so gut wie möglich helfen. Wenn du Hilfe brauchst, dann zeig das einfach. Steh mit der Karte an der Kreuzung. Meistens wird innerhalb weniger Minuten ein Spachstudent neben dir stehen und dir den Weg erklären.

Du kannst auch gezielt Menschen ansprechen. Dabei solltest du aber berücksichtigen, dass Englisch erst seit etwa 20 Jahren ein Schulfach ist. Um bei der älteren Generation Englischkundige zu finden, brauchst du sehr viel Glück. Die beste Chance hast du bei den jüngeren Leuten in ihren Zwanzigern. Generell sind bei Frauen die Sprachkenntnisse deutlich besser als bei Männern.

2. Lass dir von Sprachkundigen die Handynummer geben

Nicht immer und überall wird es dir gelingen, jemanden zu finden, der Deutsch oder Englisch spricht. Auf diese Möglichkeit solltest du dich vorbereiten. Am besten sammelst du deswegen Telefonnummern von Leuten, die dir bei grösseren Verständnisschwierigkeiten etwas übersetzen können. Sie kannst du zum Beispiel kurz anrufen, wenn du dem Taxifahrer erklären willst, wo du hinwillst.

Verstehst du nicht einmal Bahnhof? Dann fotografiere den Busfahrplan und schicke ihn per Wechat an jemanden, der ihn für dich entziffern kann.

Verstehst du nicht einmal Bahnhof? Dann fotografiere den Busfahrplan und schicke ihn per Wechat an jemanden, der ihn für dich entziffern kann.

Da solche Situationen immer mal wieder vorkommen, solltest du erwägen, eine chinesische Sim-Karte zu kaufen, da dich das Roaming über deine deutsche, schweizer oder österreichische Karte ziemlich teuer kommt. Auf meinem anderen Blog findest du Tipps zum Kauf einer chinesischen Sim-Karte und eine Schilderung, wie du die chinesische Karte am besten verwendest, um auf der gewohnten Nummer trotzdem noch erreichbar zu sein.

Wenn du ein Smartphone hast, solltest du dort Wechat installieren. Diese chinesische Version von Whatsapp hat praktisch jeder chinesische Smartphonebesitzer und sie ist sehr praktisch, um Textnachrichten zu verschicken oder den genauen Standort anzugeben. Wenn du ein älteres Handy hast, solltest du sicherstellen, dass es tatsächlich die chinesischen Schriftzeichen darstellen kann. Bei modernen Smartphones ist das aber in der Regel kein Problem.

Wie kommst du an die Nummer von sprachkundigen Chinesen, wenn du noch niemanden kennst? Meistens geht es in China nicht lange, bis du jemanden kennenlernst. Da in China der Datenschutz kein so grosses Thema ist, bekommst du auch ohne weiteres von allen die Handynummer, wenn du darum bittest. Wie du am besten Einheimische kennenlernst, werde ich später in einem weiteren Artikel schildern und dann hier verlinken.

3. Kommuniziere mit Händen und Füssen

Dieser Trick klingt zunächst etwas banal und tatsächlich wirst du überrascht sein, wie weit du mit der Gebärdensprache kommst. Trotzdem solltest du dich über allfällige Unterschiede informieren. Insbesondere die Handzeichen für Zahlen unterscheiden sich stark von unseren.

Wenn du in China in einer Bar zwei Bier bestellst und dabei mit den Fingern unsere Geste für “zwei” machst, stehen die Chancen gut, dass dir acht Gläser serviert werden. In China unterschieden sich nämlich die Handzeichen für die Zahlen. Lass dir die Handzeichen für die Zahlen am besten von einem Einheimischen vormachen.

4. Verwende Stift und Papier

Wenn ich in Regionen unterwegs bin, in denen ich vermute, dass ich mit Englisch nicht über die Runden komme, habe ich meistens einen kleinen Notizblock und einen Stift dabei. Das ist nicht nur praktisch, um aufzuschreiben, wann der nächste Bus fährt, sondern es hilft auch bei der Kommunikation. Wenn ich etwas brauche, zeichne ich das einfach auf ein Blatt und schon ist meinem Gegenüber klar, was ich möchte.

Manchmal aber auch nicht, denn meine Zeichenfähigkeiten lassen leider ziemlich zu wünschen übrig. Jedesmal wenn keiner erkennt, was ich da aufs Blatt skizieren wollte, bereue ich, dass ich mir nicht das OhneWörterBuch von Langenscheidt gekauft habe. Auf 31 abwaschbaren, dick kartonierten Seiten finden sich 500 Zeigebilder, die speziell für Weltenbummler ausgesucht wurden.

Das Konzept dieses Bilderbuches ist so einfach wie genial. Beispiel: ich möchte wissen, wann der nächste Bus fährt. Ich zeige also zuerst auf den Bus und dann auf die Uhr. Mein Gegenüber versteht mich und streckt mir drei Finger entgegen. Nun weiss ich: ich muss noch bis drei Uhr warten und kann in der Zwischenzeit gemütlich Mittagessen gehen. Und auch dort gibt es plötzlich keine Probleme mehr: Musste ich mich vorher in die Küche begeben, um auf die gewünschten Zutaten zu zeigen, reicht es jetzt, die Zutaten im Wörterbuch anzutippen. Tomaten und Ei geben in ganz China eine leckere Omelette.

5. Leg dir ein Phrasebook zu

Du bist nicht der erste, der ohne Sprachkenntnisse ein Land bereisen will. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Reiseverlage auf die Idee gekommen sind, sogenannte Phrasebooks zu publizieren. Es handelt sich dabei um Bücher, in denen thematisch sortiert Beispielsätze aufgeführt werden. Wenn du also eine Zugfahrkarte kaufen willst, schlägst du das entsprechende Kapitel auf und findest dort wichtigste Sätze wie: „Ich möchte einen Zug reservieren nach …“

Der ideale Begleiter für die Reise: Mit den Sprachführern der Kauderwelsch-Reihe kannst du dich schnell in rund 100 Sprachen und Dialekte einarbeiten.

Der ideale Begleiter für die Reise: Mit den Sprachführern der Kauderwelsch-Reihe kannst du dich schnell in rund 100 Sprachen und Dialekte einarbeiten.

In Frage kommen meiner Meinung nach vor allem die Ausgaben von zwei unterschiedlichen Reiseverlagen. Es gibt jedoch noch eine Reihe weiterer Anbieter:

  • Lonely Planet Phrasebook Chinese: Dieses rund 250 Seiten dicke Büchlein im Taschenformat besticht mit einer übersichtlichen Struktur, vielen Beispieltexten und nützlichen Vokabeln. Dafür ist jedoch der Grammatikteil etwas klein geraten. Ein weiterer Nachteil ist unter Umständen, dass das Buch auf Englisch ist.
  • Kauderwelsch Chinesisch: Auch der Reise-Knowhow-Verlag gibt ein Buch für Reisende heraus. Mit 160 Seiten ist es etwas weniger dick und passt daher besser in die Hosentasche. Zwar hat es etwas weniger Beispielsätze als das LP-Phrasebook, dafür aber einen ausgiebigeren Grammatikteil, der dir hilft, eigene Sätze zu bilden. Wenn du also nicht bloss auf vorgefertigte Sätze weisen willst, kannst du mit diesem Band sogar rudimentäre Sprachkenntnisse erwerben.

6. Versuche die Sprache etwas zu lernen

Natürlich kannst du nicht zwei Jahre lang in die Abendschule gehen, um dein Chinesisch vor der Reise auf ein gutes Niveau zu bringen. Aber wenn du mal die Schriftsprache ausser acht lässt, dann ist es gar nicht so schwer, sich einige Grundkenntnisse anzueignen. Dabei sind vor allem folgende Produkte hilfreich:

  • Chinesisch mit System (Langenscheidt): Dieser Sprachlehrgang ist für Selbstlernende gedacht, die ein gewisses Niveau erreichen wollen. Deswegen bekommst du neben dem Textbuch mit einem ausführlichen Grammatikteil auch drei Audio-CDs, um die Aussprache zu üben und ein Übungsbuch. Ich habe mit dem Vorgängerbuch selber gearbeitet und fand es ziemlich gut. Ganz ohne Hilfe, so denke ich, ist es allerdings eher schwer, wirklich gut zu lernen. Alleine schon wegen der Motivation.
  • Rosetta Stone Chinesisch: Mit 350 Euro ist der Sprachkurs von Rosette Stone massiv überteuert und ich kann ihn daher nur glücklichen Lottogewinnern guten Gewissens empfehlen. Doch wenn das Geld keine Rolle spielt, ist der interaktive PC-Kurs tatsächlich keine schlechte Sache: Dir werden jeweils vier Bilder gezeigt und du musst den passenden Satz wählen. Zum Beispiel: “Der Ball ist rot.” Nach und nach beginnst du so, die Sprache zu verstehen. Wer mit Grammatik generell auf Kriegsfuss steht, lernt leicht ein paar Sätze für die Reise. Mich nervte jedoch, dass es keinerlei Erklärungen zur Grammatik gibt. Auch ging alles etwas zu langsam voran.
  • Sprachkurs von Kilian: Mein Blogger-Kollege Kilian hat einige Videos zusammengestellt, die sich speziell an künftige Chinareisende widmen. Das Spezielle ist: Kilian und seine bezaubernde Freundin Gina versuchen nicht nur sprachliche Grundlagen für Deine Reise zusammenstellen, sondern erklären in den Videos auch, wie du dich im Reisealltag in China am besten verhältst. Die erste Lektion und eine gekürzte Version des Praxisvideos kannst du kostenlos anschauen. Das ganze Paket kostet 12,49 Euro. Denk daran: Dieser Kurs ist ein privates Projekt und das merkt man ihm auch an. Ich finde die Videos und die Vokabeltafeln aber trotzdem hilfreich.

Ich empfehle unbedingt, dass du dich vor der Reise mit der entsprechenden Literatur eindeckst. Sämtliche hier erwähnten Bücher sind in China nicht oder nur schwer erhältlich. Alternativ kannst du auch in den chinesischen Buchhandlungen sehr günstige Sprachkurse (schon ab 2 Euro) erwerben. Allerdings musst du dich damit abfinden, dass die Bücher eine didaktische Katastrophe sind und oft von Autoren verfasst werden, deren Englisch so schlecht ist, dass du ihre Erklärungen bei besten Willen nicht wirst verstehen können.

Fazit

Es ist nicht ganz leicht, sich in China zu verständigen. Doch vor schweren Problemen brauchst du dich nicht zu fürchten. Auch ohne irgendwelche Sprachkenntnisse wirst du dich im Reich der Mitte zurecht finden, da immer jemand da ist, der dir helfen kann.

Trotzdem wird es deine Reise stark aufwerten, wenn du mit einem Minimum an Chinesischkenntnissen aufbrichst. Es lohnt sich also, ein bisschen Zeit zu investieren.

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4 Kommentare

  1. Servus Oliver,

    super hilfreich um einfach ein paar chinesische Vokabeln zu lernen ist auch das kostenfreie „eFlash-App Mandarin“ (zu finden im Apple-Appstore oder im Google-Playstore unter demselben Namen). Es deckt eine Menge verschiedene Bereiche ab und man kann damit spielerisch nützliche Wörter lernen. Ich hab’s mal oft auf meinen langen Zugfahrten durch China „gespielt“ und kann sogar heute noch eine Eistüte aus dem FF bestellen 😉

    Kilian
    ps: herzlichen Dank für deine Empfehlung des Crashkurses für Chinareisende

  2. Ich habe jetzt eine neue interessante Webseite fürs chinesisch lernen gefunden. http://www.new-chinese.org/

  3. Die Kauderwelsch Sprachführer habe ich bei allen meinen Reisen dabei.

  4. Gute Tipps! Doch aufpassen, wenn man Chinesen nach dem Weg fragt! Viele haben Angst, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie sagen, dass sie den Weg nicht kennen. Am besten sich im Hostel/Hotel oder sonst jemanden den Namen auf Chinesisch aufschreiben lassen! Und mehrere Leute fragen.
    Es gibt übrigens auch „Ohne Worte“ Bücher, wo man Dinge per Bild bestimmen kann. Das hat den Vorteil, dass man die nicht nur in China benutzen kann.
    LG
    Ulrike

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