Die Kirche von Qingdao könnte problemlos in jeder deutschen Kleinstadt stehen. Fotos: O. Zwahlen

Die Kirche von Qingdao könnte problemlos in jeder deutschen Kleinstadt stehen. Fotos: O. Zwahlen

Qingdao ist speziell – ganz besonders für Deutsche. Die Stadt, die das bekannte „Tsingtao“-Bier produziert, war Anfang des 20. Jahrhunderts für eine kurze Zeit eine deutsche Kolonie. Das Kulturerbe von damals ist noch immer sichtbar. Heute verrate ich, wo und gebe dir Tipps, was du in der Küstenstadt nicht verpassen solltest.

Eines vorweg: Zu Qingdao habe ich ein gemischtes Verhältnis. Ich hab die Stadt vor neun Jahren das erste Mal besucht und bin in diesem Frühling zurückgekehrt, um Bekannte zu besuchen. Zwar gibt es ein paar spannende und aussergewöhnliche Ecken, die ich dir in diesem Beitrag vorstelle. Aber insgesamt finde die Stadt etwas überbewertet. Siehe dazu auch meine Liste der fünf Orte in China, die ich kein zweites Mal besuchen würde.

Die meisten verbinden Qingdao mit der bekannten chinesischen Biersorte „Tsingtao“. Wenn du ein grosser Bierfreund bist (ich selber trinke das Gebräu nur ganz selten), kannst du einen Besuch im August erwägen. Dann findet jedes Jahr das mehrwöchige Internationale Bierfestival von Qingdao statt. Du solltest dir das als das chinesische Pendant zum Oktoberfest in München vorstellen. Einschliesslich der Bierzelte und den Betrunkenen.

Bitte entschuldige, dass einige der Bilder nicht besonders ansehlich sind. Auf meiner ersten Qingdao-Reise hatte ich eine schon damals alte Kamera aus den Anfängen der Digitalzeit dabei – entsprechend fehlte es mir bei dieser Zusammenfassung an gutem Bildmaterial. Aber lass uns nun mit den Tipps beginnen!

1.) Schlendere durch die deutsche Altstadt

Auch wenn das Kulturerbe aus der deutschen Kolonialzeit nicht so gut gepflegt wird, wie man sich das vielleicht wünschen würde, so gibt es im Zentrum von Qingdao doch jede Menge Übrigbleibsel von damals. Am auffälligsten sind bei beiden Kirchen, die auch irgendwo in Deutschland stehen könnten. Zudem birgt Qingdao zahlreiche alte Villen im deutschen Stil, die teilweise etwas baufällig sind. In Deutschland würden sie dir kaum auffallen, aber in China wirken sie auf bizarre Weise fehl am Platz.

Die alte deutsche Kirche im Zentrum von Qingdao.

Die alte deutsche Kirche im Zentrum von Qingdao.

In den alten Strassen gibt es im eigentlichen Sinne nicht viel zu sehen. Aber ich fand es spannend, durch die mit Bäumen gesäumte Alleen und Gassen, die teilweise noch mit Kopfsteinpflaster versehen sind, zu schlendern und das eine oder andere Detail aus früheren Tagen zu entdecken. Die deutsche Altstadt ist klein. In einer bis zwei Stunden hast du das Zentrum durchwandert.

2.) Fühl dich im deutschen Gefängnis schuldig

Zu den wenigen besuchbaren Sehenswürdigkeiten aus der deutschen Geschichte gehört (neben den beiden erwähnten Kirchen) das deutsche Gefängnis. Ich fand den Besuch ziemlich spannend, zumal die Ausstellung erstaunlich gut aufbereitet war. Zuerst wirst du in den ehemaligen Verwaltungsräumen durch eine Fotoausstellung gelotst, wo du dir zahlreiche Bilder aus der deutschen Kolonialzeit von 1908 bis 1934 anschauen kannst. Vermutlich wirst du das eine oder andere Gebäude auch heute noch erkennen.

Blick auf den Exerzierhof und den Zellenbereich des Deutschen Gefängnisses in Qingdao.

Blick auf den Exerzierhof und den Zellenbereich des Deutschen Gefängnisses in Qingdao.

Anschliessend geht es ins eigentliche Gefängnis mit den spärlich eingericheten Zellen und den etwas besser ausgestattenen Räumen der Wächter. Im Untergeschoss befinden sich noch diverse Folterapperaturen, von denen viele jedoch später von den japanischen Besatzern angebracht wurden. Zu Orientierung: Japan hatte bei seinem Chinafeldzug Qingdao 1934 dem Deutschen Reich entreissen können. Ein paar Jahre verlor Japan die Kolonie allerdings wieder an China. Obwohl ich selber kein Deutscher bin, fühlte ich mich in den alten Gemäuern etwas schuldig und befangen.

3.) Degustriere in der Tsingtao-Bierfabrik

Qingdao ist in erster Linie für sein „Tsingtao“-Bier bekannt, das in China an jeder Ecke erhältlich ist und wohl auch ausserhalb Chinas das bekannteste Gebräu aus dem Reich der Mitte sein dürfte. Die Fabrik ist ebenfalls ein Erbe der deutschen Kolonialzeit und kann im Rahmen einer Führung und einer anschliessenden Degustation besucht werden. Bei meinen beiden Besuchen von Qingdao war die Brauerei allerdings jeweils nicht zugänglich, so dass ich nicht sagen kann, ob sich die Tour lohnt.

Die Tsingtao-Fabrik mit der Kneipenstrasse davor.

Die Tsingtao-Fabrik mit der Kneipenstrasse davor.

Zur Fabrik zu kommen, macht jedoch auch so Sinn. Denn vor dem Areal gibt es eine Strasse mit zahlreichen Bars und Restaurants, wo du das Bier in all seinen unterschiedlichen Arten versuchen kannst oder dir in einem der leckeren Restaurants etwas Gutes zu Essen bestellen kannst.

Tipp 4: Besuch den Strand der Stadt

China ist kein Land der schönen Strände. Mit Ausnahme des Meeres vor Hainan (und den Bergseen von Jiuzhaigou, wo das Baden aber verboten war) gab es kein Gewässer, das mich je zum Baden gereizt hätte. Also auch der Strand von Qingdao nicht. Hinzu kam, dass dort bei meinem zweiten Besuch viele angespülte Algen und Müll rumlagen. Zur Entschuldigung muss ich allerdings anmerken, dass die Badesaison noch nicht begonnen hat. Im Sommer, so hatte ich den Eindruck, wird besser aufgeräumt.

Abendstimmung am Stadtstrand von Qingdao. Zum Baden macht er nicht so an, für einen gemütlichen Spaziergang mit Blick auf die Skyline aber schon.

Abendstimmung am Stadtstrand von Qingdao. Zum Baden macht er nicht so an, für einen gemütlichen Spaziergang mit Blick auf die Skyline aber schon.

Ein abendlicher Spaziergang entlang dem Strand lohnt sich aber trotzdem, da du von dort aus einen schönen Blick auf die Skyline des modernen Qingdao werfen kannst. Zudem befindet sich gleich am Strand mit dem Zhanqiao-Pier und der darauf stehenden Pagode eines der Wahrzeichen der Stadt. Tipp: Mach es den chinesischen Besuchern gleich und lichte dich davor mit einem Selfie-Stick ab.

Tipp 5: Das Qingdao-Aquarium

Da du vermutlich in Qingdao weder baden noch tauchen wirst, solltest du den Besuch des bekannten Qingdao-Aquariums erwägen. Das Gelände ich riesig und die Unterwasserwelt wird auf hohem Niveau präsentiert. Zudem bietet das Aquarium auch einen Superlativ: Das höchste freistehende Aquarium der Welt. Zumindest galt dieser Rekord noch bei meinem Besuch vor neun Jahren. In einem separaten Teil gibt es eine gewaltige Ausstellung von unterschiedlichen Quallen.

Das grösste freistehende Aquarium der Welt.

Das grösste freistehende Aquarium der Welt.

Praktische Tipps:

Anreise: Qingdao ist leicht zu erreichen. Mit Abstand am Angenehmsten ist die Anreise mit einem der zahlreichen Hochgeschwindigkeitszüge ab Peking oder der Provinzhauptstadt Jinan. Ebenfalls eine gute Zuganbindung gibt es nach Shanghai. Beachte meine Tipps zu den chinesischen Eisenbahnen. Zudem werden ab Qingdao zahlreiche Ziele im Inland angeflogen.

Unterkunft: Die Stadt verfügt über einige der besten Jugendherbergen des Landes. Besonders das Old Observatory Hostel fand ich reizvoll: Es ist auf einem Hügel in einer ehemaligen Sternwarte untergebracht. Der Raum, wo sich einst das Teleskop befand, wurde in ein Restaurant verwandelt. Bei meinem letzten Besuch von Qingdao im April 2015 fand ich es schwierig, spontan eine Unterkunft zu finden: Die Jugis waren zum grössten Teil ausgebucht und die günstigen Hotels nahmen ausnahmslos keine Ausländer auf. Ich empfehle daher, vorher etwas zu reservieren. Siehe dazu auch meine Tipps für die Suche nach Hotels, die Ausländer akzeptieren.

Reisezeit: Ich besuchte die Stadt Anfang April und war erstaunt, wie kalt die Stadt noch war. Das ist wohl kein Zufall, denn die Zentralheizungen liefen in Qingdao noch überall, während sie in Peking bereits ausgeschaltet waren. Da das meiste in Qingdao draussen zu sehen ist, empfehle ich eher einen Besuch im Sommer.

Kommunikation: Auch wenn Qingdao einst eine deutsche Kolonie war: Von der deutschen Sprache ist nicht viel übrig geblieben. Zwar ist Germanistik in der Stadt ein beliebtes Studienfach, aber die Chance, jemanden auf der Strasse zu treffen, der deutsch spricht, ist sehr gering. Besser klappt es mit Englisch.Grundsätzlich empfehle ich meine Tipps zur Kommunikation.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung: In der Nähe von Qingdao gibt es die bekannten Laoshan-Berge, die sehr schön sein sollen. Selber war ich dort aber noch nicht. Ein Zwischenstopp kannst du auch in der Provinzhauptstadt Jinan einlegen, die für ihre Thermalquellen bekannt ist. Ich fand es dort aber nicht besonders aufregend. Am ehesten lohnt sich ein Besuch des heiligen Bergs Taishan, der für seinen Sonnenaufgang bekannt ist. Gerade daneben befindet sich die hübsche Kleinstadt Qufu mit dem Geburtsort des chinesischen Philosophen Konfuzius.

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