Vogelperspektive auf den Wumao-Erdwald. Fotos: OZ

Bei deiner Recherche zu interessanten Ausflugszielen in Yunnan wirst du vermutlich auf den überlaufenen und überteuerten Steinwald bei Kunming gestossen sein. Wenn dir der Sinn nach einer Alternative mit Geheimtippcharakter steht, empfehle ich dir stattdessen die Erdwälder von Yuanmou zu besuchen.

Egal, wie viel ich schon gereist bin, ich erlebe sie noch immer: Diese Momente, in denen ich mit offenem Mund einen Schritt zurücktrete und kaum fassen kann, was ich sehe. So erging es mir vor einigen Tagen im Norden der Provinz Yunnan, wo ich mich mit einem Schritt nach Kappadokien versetzt fühlte.

In der brütenden Hitze war ich eine Treppe hoch gestiegen, links und rechts von mir türmten sich gewaltige Erdsäulen hoch. Und da war er wieder, dieser Augenblick. Manche Erdsäulen erinnerten mich an Kirchenorgeln, andere hatten das Aussehen von gewaltigen Pilzen. Meine chinesische Begleitung sah hingegen überall Bambus-Sprossen in die Höhe schiessen – so unterschiedlich kann kulturell geprägte Wahrnehmung sein.

Die Erdsäulen bestehen hauptsächlich aus Ton, roter Erde und gelbem Schluff – alles Materialien, die sehr anfällig für Erosion sind. Ihre Entstehung verdanken sie in der Regel Kalkablagerungen an ihrer Oberseite, die sie vor Regen schützen. Auf diese Weise sind in den letzten ein bis zwei Millionen Jahre regelrechte Erdwälder entstanden.

Rundgang durch den Geopark

Der Wumao Tulin Park ist relativ klein und überschaubar. In jede Richtung hat er eine Ausdehnung von rund einem Kilometer. Durch den Park führt ein gut ausgebauter Rundweg, der sehr angenehm zu laufen ist. Von dort führen sandige Trampelpfade in zahlreiche Seitentäler.

Du solltest dir unbedingt die Zeit nehmen, um auch einige der Nebenwege zu erkundigen. Was du dort siehst, unterscheidet sich zwar nicht grundsätzlich vom Rest. Aber im Vergleich zur Hauptroute, auf der auch immer wieder lärmige Gruppen unterwegs sind, hast du die Seitentäler oft ganz für dich allein.

Etwa in der Mitte des Rundwegs gibt es eine Service-Area mit Toiletten und einem kleinen Kiosk, wo du dir Wasser kaufen kannst. Da die Gegend oft heiss und ziemlich trocken ist, wirst du dich über diesen kleinen Zwischenstopp freuen.

Auf der zweiten Hälfte des Rundwegs werden die Erdbäume immer höher und der Weg führt dich auf einen Bergkamm, von wo aus du eine hervorragende Vogelperspektive auf die umliegenden Täler hast. Nach einigen hundert Metern kommst du zu einer spektakulären Wendeltreppe, die dich wieder ins Tal führt.

Es ist auch möglich, gleich am Eingang in einen bereitgestellten Bus zu sitzen, der dich für zehn Yuan zu den Highlights des Parks bringt. Wenn du aber einigermassen gut auf den Beinen bist, rate ich dir von dieser Option dringend ab. Erstens ist nur ein sehr kleiner Teil des Parks von der Strasse aus zugänglich und zweitens macht das Wandern und Entdecken den ganzen Reiz aus.

Ein gut ausgebauter Rundweg führt in etwa zwei Stunden durch den Geopark.

Der Weg führt an gewaltigen Erdsäulen vorbei.

Die bizarren Formationen erinnern jeden Besucher an etwas anderes.

 

Welcher Erdwald ist der beste?

Rund um Yuanmou gibt es gleich mehrere Erdwälder, die du dir alle ansehen kannst. Da sie auf Bildern jedoch recht ähnlich wirkten, habe ich mich entschlossen nur einen von ihnen zu besuchen. Hier die Vor- und Nachteile der einzelnen Erdwälder:

Wumao Tulin: Der Erdwald von Wumao wurde als erster touristisch erschlossen, weil er von Yuanmou aus am besten zu erreichen ist. Die Erdbäume erreichen Höhen von bis zu 30 Meter. Ausserdem gibt es ein tiefes Tal, auf das du von einer Aussichtsplattform herabschauen kannst. Eintritt 100 Yuan.

Langbapu (früher: Xinhua) Tulin: Dieser Erdwald hat die höchsten Erdbäume (sie erreichen bis zu 42 Meter). Wegen der kleinen Seen und Flüsschen gilt er als besonders photogen. Allerdings liegt der Langbapu Tulin etwa 30 Kilometer von Yuanmou entfernt, weswegen die Anreise einiges länger dauert.  Eintritt 100 Yuan.

Banguo Tulin: Dieser Erdwald verfügt nur über relativ kleine Erdbäume und ist deswegen vergleichsweise unbekannt. Nach Stand meiner Recherche wurde Banguo bisher nicht touristisch erschlossen. Das heisst, du brauchst ein eigenes Fahrzeug, um ihn zu erreichen. Dafür musst du ihn mit keinen anderen Besuchern teilen. Schwer zu finden. Eintritt frei.

Wie kommst du zu den Erdwäldern von Yuanmou?

Ab Kunming fährst du am besten in rund drei Stunden mit dem Zug nach Yuanmou. Zum Zeitpunkt der Recherche gab es fünf tägliche Verbindungen. Ideal sind K114 um 9.00 Uhr sowie K166 um 19.40 Uhr falls du in Yuanmou übernachten möchtest. Siehe hier meine Tipps zum Kaufen von Bahntickets.

Yuanmou liegt an der alten Bahnlinie, die Kunming mit Sichuan verbindet. Bis Emei Shan bist du 12 Stunden im Zug und von Chengdu sind es weitere 15 Stunden. Falls du also sowieso von Sichuan Richtung Yunnan unterwegs bist und die teuren Hochgeschwindigkeitszüge vermeiden willst, ist Yuanmou ein guter Ort, um die lange Fahrt zu unterbrechen.

Der Bahnhof von Yuanmou liegt etwas ausserhalb des Stadtzentrums in Richtung des Erdwalds. Achtung, nicht mit dem weiter entfernten Yuanmou Xi verwechseln! Vom Bahnhof bis zu Wumao Tulin (物茂土林) sind es etwa 25 Kilometer, die du am besten im Taxi zurücklegst, da die Busverbindungen zeitlich sehr ungünstig liegen.

Falls du etwas länger bleiben möchtest, gibt es direkt vor dem Eingang des Wumao Erdwalds ein Hotel. Alternativ findest du auch einige Optionen in Yuanmou selbst. Beachte, dass es in abgelegenen Orten schwierig sein kann, Hotels zu finden, die Ausländer aufnehmen. Hier meine Tipps für dieses Problem.

Falls du länger bleiben willst, kannst du dir im Zentrum von Yuanmou auch noch das Museum des Yuanmou-Menschen anschauen. Das ist so etwas wie der chinesische Neandertaler. Allerdings soll die Ausstellung kaum englischsprachige Erläuterungen haben und ein Grossteil der Exponate sind offenbar nicht die echten Funde, da diese in Peking ausgestellt werden. Ich selber habe das Museum nicht besucht.

Die höchsten Steinformationen sind rund 30 Meter hoch.

Der Autor dieser Zeilen ruht sich aus…

Abenteuerliche freistehende Wendeltreppe: Nichts für Menschen mit starker Höhenangst.

 

Chinas Kappadokien: Was ist anders?

Die Erdwälder rund um Yuanmou haben mich sehr stark an Kappadokien in der Türkei erinnert, meiner liebsten Ecke im Land, über die ich hier vor einiger Zeit geschrieben habe. Ein chinesischer Fotograf, mit dem ich ins Gespräch kam, sah hingegen eher Ähnlichkeiten mit dem Bryce Canyon in den USA.

Im Vergleich zu Kappadokien ist nicht nur das ganze Areal viel kleiner, sondern auch die einzelnen Erdbäume. Zudem ist die Vielfalt der Formen in der Türkei grösser. Und natürlich fehlen in China die zu Wohnzwecken ausgehöhlten Felsen und die besonders eindrücklichen Untergrundstädte.

Fazit

Mich hat der Wumao Tulin sehr beeindruckt und ich habe im Nachhinein etwa bereut, dass ich nicht genügend Zeit eingeplant habe, um auch noch Langbapu zu besuchen. Das nächste Mal würde ich die Gegend nur nur als Tagesausflug ab Kunming erkunden.

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7 Kommentare

  1. Was für schöne Orte du immer findest. Grossartige Seite. Vielen Dank.

  2. So schön!

  3. Hi Oli,

    danke für den Bericht. Da ich schon in Kappadokien war werde ich wohl wegen diesem Ort nicht unbedingt nach China reisen. Da sich China aber gut mit Japan verbinden lässt werde ich dem Land wohl noch eine Chance geben. Auch wenn mir die Chinesen teilweise sehr auf die Nerven gingen so habe ich doch auch nette Leute dort getroffen.

    Bin gespannt was du sonst noch so erlebst.

    1. Hi Pasquale,

      ich denke auch nicht, dass man wegen diesen Erdwäldern nach China reisen muss. Kappadokien ist ja doch einiges näher und auch um einiges vielseitiger. Aber wenn man schon mal in China oder gar Yunnan ist, finde ich es ein lohnenswertes Ausflugsziel, das vermutlich auch in keinem deutschsprachigen Reiseführer erwähnt wird.

      Aber wenn du China und Japan verbinden willst, wirst du vermutlich sowieso eher in Shanghai oder Peking bleiben, wo du ja etwas länger visafrei bleiben kannst…

  4. Shanghai hatte ich im letzten November 4 Tage. Ich denke daher eher an Peking. Mit dem Visafreien Aufenthalt hatte ich jedoch ein paar Probleme. Beim Check in von Air China kannte niemand diese Regel. Erst nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten bekam ich das ok. In Shanghai bekam ich dann Besuch von der Polizei und musste am nächsten Tag zur Polizeistation.
    Ich muss mich auch darüber informieren ob ich die Mauer besuchen kann wenn ich kein Visum habe.
    Grundsätzlich lässt sich Japan dank Air China aber gut mit China verbinden. Dank Air Asia aber auch mit Vietnam oder den Philippinen. Ich denke in Asien gibt es für mich noch ein paar schöne Ziele. Ich muss mich vielleicht nur etwas besser auf unhöfliche Menschen einstellen. 😉

    1. Peking hat im Januar die Visapolitik geändert und du kannst jetzt wie in Shanghai 144 Stunden bleiben und darüberhinaus auch Tianjin und Hebei besuchen. Das gibt dir sehr viel mehr Möglichkeiten, auch irgendwo aufs Land zu fahren. Die Grosse Mauer war aber auch vorher schon kein Problem, weil sie sich noch innerhalb der Provinz Peking befindet.

  5. Habe gerade erste deine Antwort zu meinem Kommentar beim Visum gelesen. Also unfreundlich waren die Polizisten nicht aber ich war schon nervös und auch etwas genervt. Nach meinen bisherigen Reiseerfahrungen suche ich jetzt aber doch mehr ungewöhnliche Reiseziele. Ich habe auch erkannt dass einiges an mir selbst lag. Ich bin durchaus falsch an einige Länder ran gegangen.
    Ich bin gespannt ob es nicht noch andere Interessante Orte in China für mich gibt.

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