Kraftvolles "Phablet": Das Xiaomi Mi Note. Fotos: O. Zwahlen

Kraftvolles „Phablet“: Das Xiaomi Mi Note. Fotos: O. Zwahlen

Bis vor kurzem hatten chinesische Handys keinen besonders guten Ruf. Doch inzwischen rollt der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi den Markt mit günstigen und leistungsfähigen Geräten neu auf. Ob das Xiaomi Mi Note das hält, was es verspricht, habe ich für euch getestet.

Da mein letztes Handy in Mexiko in der U-Bahn gestohlen worden war, musste ich mir im Frühling ein neues kaufen. Weil ich zu dieser Zeit ohnehin in China war, entschloss ich mich, es noch einmal mit einem chinesischen Produkt zu versuchen. Dabei fiel meine Wahl auf das Xiaomi Mi Note. Entscheidend waren für mich einerseits die starke Leistung und andrerseits die Fähigkeit, zwei SIM-Karten aufzunehmen.

Xiaomi ist im Westen kaum bekannt, gilt aber im Reich der Mitte als das chinesische Apple. Das ist nicht nur dem selbstentwickelten Betriebssystem MIUI (auf Basis von Android) geschuldet, das manchen Beobachtern etwas arg an die Oberfläche des iPhones erinnert, sondern auch dem Auftreten des Firmenchefs Lei Jun, der wie einst Steve Jobs neue Produkte gerne in Jeans und T-Shirt präsentiert. Mehr zur Firmengeschichte von Xiaomi findest du übrigens hier.

Eine weitere Ähnlichkeit zu Apple: Xiaomi kommt der grossen Nachfrage im Land nicht nach. Als ich mein Xiaomi Mi Note kurz nach seinem Erscheinen im April kaufen wollte, gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder über den Schwarzmarkt zu höheren Preisen oder dann über eine Verlosung auf der Firmenwebsite von Xiaomi. Ich hab mich für letzteres entschieden und bekam nach drei Versuchen doch endlich mein Gerät. Inzwischen ist allerdings mit dem Xiaomi Mi Note Pro bereits ein etwas schnellerer Nachfolger auf dem Markt erschienen, so dass das hier besprochene Gerät ohne Schwierigkeiten bestellbar sein sollte.

Was unter der Haube steckt

Bevor ich nun von meinen persönlichen Erfahrungen erzählte, möchte ich kurz zusammenfassen, was beim Xiaomi Mi Note unter der Haube steckt. Zunächst einmal beeindruckt das Gerät mit einem Qualcomm Snapdragon 801 quad-core 2.5GHz Prozessor. Damit spielt der schlanke Chinese mit dem iPhone 6 und dem Samsung S6 in einer Liga. Die 3GB RAM sorgen zudem dafür, dass auch aufwändige Spiele kaum ins Stocken geraten. Hier gibt es nichts zu beklagen. Der Speicher beträgt entweder 16 oder 64 Gigabyte und ist leider nicht über eine Speicherkarte erweiterbar.

Beeindruckend ist auch die Leistung der Kamera, die über einen eigenen Bildstabilisator verfügt und Fotos produziert, die ich hier auf dem Blog problemlos verwenden kann und die zudem dank des HDR-Modus bei schwierigen Lichtverhältnissen teilweise sogar besser ausfielen, als mit meiner in die Tage gekommenen Spiegelreflexkamera. Die Frontkamera verfügt über 13 Megapixel, die rückseitige Kamera erlaubt Selfies mit bis zu 4 Megapixeln.

Schlankes Design und hochwertiger Alu-Rahmen: Auch nach vier Monaten intensiver Nutzung sieht das Xiaomi Mi Note noch gut aus.

Schlankes Design und hochwertiger Alu-Rahmen: Auch nach vier Monaten intensiver Nutzung sieht das Xiaomi Mi Note noch gut aus.

Was unbedingt erwähnt werden muss, ist die hochwertige Verarbeitung mit der glasüberzogenen Rückseite, das grosse und klare Display und der edel aussehende Metallrahmen, der das Gerät umgibt. Als ich vor einigen Tagen wieder einmal ein iPhone in der Hand hatte, fühlte sich dieses im Vergleich zum Xiaomi wie ein Billigprodukt an. Der Nachteil der glänzenden Oberfläche: Man sieht auf beiden Seiten jeden Fingerabdruck.

Die Schwierigkeit mit dem App-Store

Die Hardware des Xiaomi Mi Note ist top und entsprechend wird das „Phablet“ in fast allen Produktetests zu Recht gelobt. Leider wird dabei viel zu selten auch auf die Schwächen eingegangen, die das Gerät hat und mit denen die meisten Nutzer umzugehen haben. Auch mir fielen einige der Macken erst im Verlaufe der Zeit auf.

Das Wichtigste zuerst: Wenn du, wie ich, das Xiaomi direkt in China beim Hersteller kaufst, fehlen sämtliche Dienste von Google. Besonders negativ fällt dabei auf, dass der Google Playstore fehlt. Während es vor einigen Monaten noch möglich war, diesen über den integrierten Mi Store von Xiaomi nachzuinstallieren, ist diese App inzwischen verschwunden.

Da ich nicht rausfinden konnte, wie ich Google Play installiere, nutzte ich stattdessen den App-Store von Amazon (im Frühling übrigens der einzige internationale Appstore, der in China nicht zensiert war), bis ich von einem anderen Xiaomi-Nutzer eine APK zur Installation von Google Play bekam. Ohne fremde Hilfe hätte ich das wohl nicht geschafft und wäre wohl noch immer auf alternative App-Stores angewiesen. Eine weitere Möglichkeit besteht allerdings darin, das deutsche ROM vom MIUI-Betriebssystem zu installieren. Dann wäre auch das Betriebssystem auf Deutsch und Google bereits dabei.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn du nicht einigermassen mit solchen Dingen vertraut bist, solltest du von chinesischen Handys die Finger lassen, da du sonst viele Programme nicht wirst installieren können. Alternativ kaufst du das Gerät direkt bei einem deutschen Importeuer, der diese Änderungen bereits für dich durchgeführt hat. Dafür musst du dann aber auch einen höheren Preis zahlen.

Slot für Dual-SIM nicht optimal

Einer der für mich wichtigsten Gründe, wieso ich mich für das Xiaomi Mi Note entschieden habe, war dessen Fähigkeit, zwei SIM-Karten gleichzeitig aufzunehmen. Da ich viel reise, kann ich auf die Weise meine Schweizer Karte im einen Slot lassen und im zweiten jeweils eine lokale Karte laufen lassen. Dies ist eine gute Möglichkeit, um die teilweise horrenden Roaming-Gebühren zu umschiffen (siehe meine Tipps dazu hier).

Nutzer von iPhones sind sich das gewohnt und Wenigreisende wird es kaum stören, aber für mich ist es ein gewaltiger Einschnitt in die Bedienerfreundlichkeit: Die SIM-Karte lässt sich nur mit einem speziellen Stift auswechseln. Das heisst, vor jeder Reise muss ich an ein leicht zu verlierendes Zubehör denken. Der Vorteil eines Dual-SIM-Handys geht meiner Meinung nach dadurch zum Teil wieder verloren.

Der Kartenslot des Xiaomi Mi Note: Alles andere als praktisch. Siehe auch die Fingerabdrücke auf dem Bildschirm.

Der Kartenslot des Xiaomi Mi Note: Alles andere als praktisch. Siehe auch die Fingerabdrücke auf dem Bildschirm.

Eine weitere Besonderheit am Kartenslot ist, dass eine SIM-Card im Miniformat, die andere im Mikroformat ist. Wer in Europa oder Asien reist, wird damit keine Probleme haben. Aber in weniger entwickelten Ländern wie Äthiopien, wo ich diesen Beitrag gerade schreibe, gibt es keine kleinen Karten. Ich hätte hier also noch zusätzlich einen Kartenstanzer einpacken müssen. Das ist schade, denn bei einem so grossen Handy wäre bestimmt genügend Platz für Karten im Normalformat gewesen.

Dass die beiden SIM-Karten eine unterschiedliche Grösse haben, mag die einen begeistern, die anderen nerven. Im ersten Augenblick fand ich das eine gute Idee, doch bei der alltäglichen Nutzung stellte ich bald fest, dass dies eher ein Nachteil ist, da die Kombinationsmöglichkeiten so doch stark eingeschränkt werden. Das heisst, um das Handy optimal zu nützen, müsstest du noch jeweils einen Karten-Adapter dabei haben. Nicht gerade praktisch!

Probleme mit der Batterie

Eines der am häufigsten bemängelten Probleme des Xiaomi Mi Note ist die Hitze-Entwicklung bei der Nutzung von rechenintensiven Applikationen. Im Sommer bei hohen Lufttemperaturen wurde das Gerät bei der Nutzung von Spielen bereits nach wenigen Minuten so heiss, dass es unangenehm wurde, es in der Hand zu halten. Anschliessende Messungen ergaben Temperaturen von bis zu 47 Grad. Ebenfalls sehr warm wird das Gerät beim Laden der Batterie.

Es mag sein, dass ich ein Montagsgerät gekauft habe, aber seit einiger Zeit habe ich Probleme, die Batterie überhaupt zu laden. Hin und wieder zeigt die Statusanzeige der Batterie die widersprüchliche Aussage an: „0% battery. Battery fully charged.“ Sobald es dies heisst, lässt sich das Gerät überhaupt nicht mehr laden und ich muss warten, bis die Batterie tatsächlich vollkommen leer ist. Ich vermute, dass es sich hierbei um einen Software-Bug handelt, der bei einem der künftigen Updates der Firmware behoben wird.

Unlogische Anzeige zum Batterienstatus.

Unlogische Anzeige zum Batterienstatus.

Ebenfalls betrüblich ist, dass die Batterie fest verbaut ist. Sollte die Leistung des Akkus nach einem oder zwei Jahren nachlassen, ist ein Tausch nicht ohne weiteres möglich und du wirst dein hübsches Smartphone wohl wegwerfen müssen. Auch hier einen Daumen nach unten für Xiaomi.

Fazit

Das Xiaomi Mi Note ist ein solides Gerät, das im Grossen und Ganzen schnell und zuverlässig arbeitet, aber noch eine Reihe von Macken und für die Nutzer nachteilige Konstruktionsmerkmale hat. Wer weiss, wie er das Betriebssystem eines Handys austauschen kann und gerne etwas bastelt, macht jedoch ein sehr gutes Schnäppchen, wenn er das Gerät in China kauft.

Das Xiaomi Mi Note ist zudem etwas teurer bei AliExpress verfügbar. Achte darauf, dass du das Produkt nicht verwechselst. Es gibt nämlich noch ein leistungsfähigeres und teuereres Xiaomi Mi Note PRO und ein Phablet der Billiglinie von Xiaomi mit dem Namen Hongmi Note.

Bist du neu hier? Dann schau dir hier an, was Sinograph bezweckt. Wenn du auf der Suche nach weiteren technischen Tipps rund um China bist, dann schau dich hier in der Rubrik Digital um. Und vergiss nicht, Facebookfan von Sinograph zu werden.

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11 Kommentare

  1. Der „Stift“ zum öffnen des Sim-Karten Slots ist nach meiner erfahrung nicht wirklich nötig.
    Eine simple Büroklammer oder sonstiger schmaler Draht zum Reindrücken reicht. Das ist dennoch etwas umständlich.

    1. Du hast recht. Ohrringe gehen auch. Aber ich habe normalerweise weder Ohrringe noch Büroklammern beim Reisen dabei. Ich finde es einfach sehr schade, dass hier ein System kopiert wurde, das unpraktisch ist – und dies obwohl Samsung beweist, dass es auch anders geht.

  2. Hallo,
    lohnt es sich in China ein Tablet (Nutzung ohne SIM) zu kaufen und welches ist empfehlenswert? Ich suche was erschwingliches, was nicht allzuviel können muss: Anwendungen aus dem Play Store (o.ä.) Surfen, ggf. Filmchen abspielen.

    1. Hi Marius,

      Xiaomi hat eine Reihe erstklassiger Tablets, die auch sehr günstig sind. Beim Kauf in China solltest du aber unbedingt drauf achten, dass du keine Fälschung kauft. Am besten bestellst du es direkt von der Website oder bittest jemanden, das für dich zu bestellen. Was auch wichtig ist: In China haben die mobilen Geräte KEIN Play Store installiert. Du musst das also selber installieren, was nicht so ganz einfach ist, wenn du so was noch nie gemacht hast.

      Gruss,
      Oli

  3. Hi,

    die China Handys sind sehr interessant. Das LG G2 gibt so langsam auf und ich suche daher nach Ersatz. Bzw. sie würde mein LG G4 bekommen denn ich bin mit der Laufzeit des Akkus absolut unzufrieden. Wie sind denn deine Erfahrungen mit Elektronik in China allgemein? In Japan sind die Preise ja z.B. nicht günstiger als hier und die Garantie dürfte dann auch ein Problem sein. Einen Ersatzakku für mein G4 brauche ich eh da ich vergessen habe einen neuen zu bestellen und die Zeit jetzt zu knapp ist.

  4. Hi,

    ich musste mein Lg G4 leider nach knapp 3 Jahren wegen einem defekten Display ersetzen. Ich habe das Xiaomi Redmi 5 Plus mit 4 GB Ram und 64 Gb Speicher gekauft. Der Play Stpre ist schon installiert und ansonsten funktionieren alle Apps einwandfrei. Man muss darauf achten die Global Version mit Band 20 Lte zu bekommen damit man 800Mhz Lte in Deutschland nutzen kann. Fest verbaute Akkus sind leider mittlerweile der Standard. Auch ein Grund warum ich es nicht einsehe 400€ für ein gebrauchtes Huawei Mate10pro oder Samsung S8+ auszugeben.
    Mein Xiaomi habe ich für 150€ gebraucht gekauft, 3 Monate alt und mit Rechnung. Da tut es auch nicht so weh falls es gestohlen wird.

    1. Hi Pasquale,

      hast du feststellt, dass das Xiaomi 5 Plus und das (ebenfalls von Xiaomi hergestellte) Redmi 5 Plus zwei unterschiedliche Geräte sind? Du kannst sie relativ leicht voneinander unterscheiden: Die Hauptkamera des Xiaomi hat eine Doppellinse, während das Redmi nur eine einzige Linse hat. Falls du tatsächlich das Redmi gekauft hast, fürchte ich, dass du nicht den ultimativ guten Deal gemacht hast, denn das kostet auch neu nicht so viel mehr als 150 Euro.

      Aber ja: Ich denke auch, dass es nicht so viel Sinn macht, ein Handy für 1000 Euro zu kaufen, wenn man das nach drei Jahren eh wieder wegwirft. Die Xiaomi-Geräte haben zwar ein paar Macken, aber generell finde ich, dass man da sehr viel für wenig Geld bekommt.

      Gruss,
      Oli

  5. Hi,

    es ist das Redmi 5 Plus. Das kostet neu als Global Version von einem seriösen Anbieter um die 180€ bis 190€. Für 150€ neu bekommst du meist nicht die global Version mit Band 20 und dann oft auch nur von chinesischen Anbietern. Klar ist das kein ultimatives Schnäppchen aber für den Preis habe ich nichts besseres gefunden. Vergleichbar wäre nur das Moto G6 mit kleinerem Display und für um die 220€. Mein Lg G4 ist jetzt nach knapp 3 Jahren defekt. Das Display reagiert nicht mehr richtig. Akku war schon viel früher hinüber. Aus dem Grund kaufe ich kein teures Handy mehr.

    1. Genau. In der Schweiz gibts das Handy für knapp über 200 Franken. Das sind also ungefähr die 180 Euro, die du genannt hast. Beim nächsten Mal würde ich mir überlegen, ob du das Handy nicht besser in China direkt kaufst. Du wolltest ja eh mal irgendwo einen Zwischenstopp einlegen. Das neue Mix bietet meines Wissens auch in der China-Version Band 20. Es kostet dann zwar etwas mehr, aber du hast dafür auch deutlich mehr Leistung und eine höhere Qualität.

  6. Sind die Dinger in China denn so viel billiger? Was ist mit der Reparatur? Das Moto G5 meiner Mutter müsste zb nach einer Woche getauscht werden.
    Das Mix kostet hier doch über 300€ oder welches meinst du?
    Mein Vater braucht auch bald ein neues. Sein S3 Mini zickt auch schon rum. Würde mein Xiaomi dann weiter geben. Das Xiaomi A2 scheint auch sehr interessant zu sein aber es liegt auch bei knapp 300€. Bis jetzt bin ich mit dem Redmi zufrieden. Es hat einen dünneren Rand als mein LG und läuft gut. Der Akku ist auch nicht schlecht.
    Klar ein Huawei Mate 10 pro oder S8+ sind sicher in allen Bereichen besser aber nicht so viel dass es den 5 fachen Preis rechtfertigt.

    1. Ich hab mich in letzter Zeit nicht mit dem Preisen beschäftigt. Aber die beiden Xiaomis, die ich gekauft habe, waren jeweils in China über die Website des Herstellers etwa 30 Prozent billiger als bei einem Importeuer in Deutschland/Schweiz. Ich finde, das lohnt sich schon. Nachteil ist, dass der Hersteller teilweise lange braucht zum Ausliefern. Bezüglich Garantie hab ich keine Ahnung.

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