China bekannteste Badestrände liegen auf der Insel Hainan. Fotos: OZ

Von westlichen Besuchern weitgehend unbemerkt hat sich die chinesische Tropeninsel Hainan zu einem der beliebtesten Reiseziele des Landes gemausert. Das kommt nicht von ungefähr. In diesem Artikel nenne ich zehn Gründe, wieso auch du dich in Hainan verlieben könntest.

Hainans Entwicklung kennt seit Jahren nur eine Richtung: Nach oben. Immer mehr Fünf-Sterne-Hotels säumen die feinsandigen Strände der Tropeninsel. Jedes Jahr empfangen neue Attraktionen Besucher. Und jedes Jahr reisen auch mehr Feriengäste auf die Insel.

Diese Entwicklung dürfte so schnell auch nicht aufhören. Bis 2020 soll der neue Flughafen in Sanya in Betrieb gehen. Er ist auf eine Kapazität von 60 Millionen Fluggäste ausgelegt. Das entspricht etwa dem gegenwärtigen Passagieraufkommen von Frankfurt Main.

Zwar wird bei der Entwicklung des Tourismus eher mit der grossen Kelle gerührt und nicht selten wirkt es so, als wäre Masse wichtiger als Klasse. Trotzdem hat die chinesische Ferieninsel auch für ausländische Besucher einiges zu bieten. In diesem Artikel verrate ich dir zehn Gründe, nach Hainan zu reisen.

 

Grund 1: Weil Hainan 300 Sonnentage hat

Hainan ist ein Paradies für Sonnenhungrige. Auf der Insel, die ungefähr auf der gleichen Höhe liegt wie die mexikanische Yukatan-Halbinsel oder das amerikanische Hawaii, hast du an ungefähr 300 Tagen im Jahr blauen Himmel – und das bei angenehmen Badetemperaturen.

Dass du die Sonne so oft sehen kannst, hängt mit der für chinesische Verhältnisse ausserordentlich sauberen Luft zusammen: Bei Umweltratings schneidet die südchinesische Hainan nämlich immer besonders gut ab.

Trotzdem geht der Meistertitel nicht an Hainan. Die meisten Sonnentage hat Tibet zu verzeichnen. Die Trockengebiete in Nordchina wären eigentlich ebenfalls gute Anwärter, leiden wegen der starken Industrialisierung jedoch häufig unter Smog.

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Hainan gilt als Chinas Sonnenstube.

Grund 2: Weil hier Chinas schönste Badestrände liegen

China verfügt zwar über eine Küstenlinie, die sich über mehrere tausend Kilometer erstreckt. Aber nur an wenigen Orten gibt es Sandstrände in relativ unberührter Natur. Als einer der schönsten gilt die Yalong-Bucht ein paar Kilometer östlich von Sanya. Ebenfalls schön, aber deutlich leerer ist Bo’ao an der Ostküste.

Obwohl Hainans Strände (fast) so schön sind wie in anderen tropischen Ländern, sind sie überraschend leer. Der Grund: In China gilt eine blasse Haut noch immer als Statussymbol. Deshalb ist es nur für wenige erstrebenswert, braungebrannt aus dem Urlaub nachhause zu kommen.

Sonnenliegen am Dadonghai-Strand im Zentrum von Sanya.

Grund 3: Weil sich hier das Ende der Welt befindet

Noch vor hundert Jahren flösste der Name Hainan Angst und Schrecken ein – war die Insel doch einer der wichtigsten Verbannungsorte für in Ungnade gefallene Beamte. Hinzu kam, dass das vermeintliche Südkap der Insel lange als das „Ende der Welt“ galt.

Heute ist die südlichste Stelle als Tianya Haijiao bekannt und hat sich zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel entwickelt. Nicht ganz ohne Grund: Mit ihren abgeschliffenen Felsbrocken im feinsandigen Strand gleicht die Region ein bisschen den Seychellen.

Zwei dieser Felsen erinnern übrigens an die chinesische Version von Romeo und Julia. So soll vor langer Zeit ein junges Paar vor den Eltern geflohen sein, weil diese ihrer Ehe nicht zustimmten. Als sie am Kap ankamen, warteten dort bereits die Häscher ihrer Eltern. Verzweifelt sprangen die beiden Liebenden ins Wasser, wo sie sich von einem Blitz getroffen in zwei Felsen verwandelten.

Hier endete für die alten Chinesen die Welt.

 

Grund 4: Weil Hainan die fast grösste Statue der Welt hat

Im Wettlauf um die grösste Statue der Welt konnte die Göttin des Mitgefühls bereits bei ihrer Fertigstellung im Jahr 2005 nur den dritten Platz erreichen und hat seither sogar ein paar Ränge eingebüsst. Noch nicht einmal in China ist sie die Nummer Eins.

Dennoch ist die 108 Meter hohe Guanyin-Statue etwa 40 Kilometer westlich von Sanya eine ziemlich eindrückliche Erscheinung, die du dir trotz des schmerzhaft hohen Eintrittspreises nicht entgehen lassen solltest.

Die Statue befindet sich auf dem Gelände des ziemlich grossen Nanshan-Klosters, dessen weitläufige Parkanlage zu schönen Spaziergängen einlädt. Wenn es deine Chinesisch-Kenntnisse zulassen, kannst du hier auch Meditationskurse belegen.

Mit 108 Metern ist die Guanyin-Statue eine der grössten der Welt.

 

Grund 5: Weil es für alles einen Themen-Park gibt

Hainan ist ein touristisches Zentrum, das sich seit jeher auf inländische Besucher konzentriert – und die lieben Themen-Parks über alles. So kommt es, dass du auf Hainan jede Menge interessante (und weniger interessante) künstliche Attraktionen findest. Hier eine kleine Auswahl:

Wenn du dich für die Kultur der Li und Miao-Minderheiten interessierst, die Hainan ursprünglich besiedelt haben, könnte ein Besuch des Museums Binglanggu das Richtige für dich sein. Der rund 600 Fussballplätze grosse Park bietet Nachbauten traditioneller Dörfer und interaktive Vorstellungen. >> mehr dazu

In den vergangenen zehn Jahren haben zahlreiche chinesische Metropolen neue „Altstädte“ erhalten, die aber häufig reine Fantasieprodukte sind. Etwas ehrlicher sind da die verschiedenen Filmstädte von Movie Town Haikou. Wer mag, kann hier durch das Chongqing der 1940er Jahre oder das Peking der 1960er schlendern. >> mehr dazu

Der Yanoda Regenwald Park ist kein Ort, an dem du die Rauheit des Dschungels erfahren kannst, sondern eher eine Art actionreiches Disney World im Regenwald-Kostüm. Hier kannst du an Seilrutschen durch die Baumwipfel sausen oder dich in den Flüssen und Wasserfällen abkühlen.

Die neuste Ergänzung in der Welt der künstlichen Attraktionen ist der Global 100 Park, in dem du Kopien von europäischen und amerikanischen Städten findest. Als Europäer, der vermutlich die Originale kennt, besteht hier der Reiz wohl eher darin, die Absurdität solcher Parks zu geniessen.

Abendstimmung am Strand bei Bo’a0.

Grund 6: Weil eine Insel nur für Affen da ist

Die Nanwan Affeninsel ist ein staatlich geschütztes Naturschutzgebiet für Makaken. Die wilde Umgebung auf der Halbinsel von Hainan bietet für die rund 2500 Affen eine hervorragende Umwelt, was den Ort zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien mit Kindern macht.

Leider wird im Schutzgebiet das Wohl der Tiere nicht immer ganz so gross geschrieben wie man erwarten sollte – weshalb die Insel auch ein Grund sein könnte, wieso du Hainan hassen magst. Tierschützer kritisieren immer wieder, dass einige Affen trainiert werden, um Vorstellungen in der Art eines Zirkus vorzuführen. Nicht nur als Tierliebhaber sollte man diesen Vorführungen fernbleiben.

Ein uneingeschränktes Highlight ist jedoch der Zugang zur Halbinsel, der über eine mehr als zwei Kilometer lange Seilbahn erfolgt. Die Fahrt über das Meer und die bewaldete Halbinsel ist sehr malerisch.

Affenfamilie.

 

Grund 7: Weil es 40 Vulkane auf einem Haufen gibt

Wenn du Vulkane genauso faszinierend findest wie ich, dann dürfte dich der vulkanische Geopark in der Nähe von Haikou interessieren. Die Shishan Vulkangruppe umfasst über 40 Vulkane sowie zahlreiche Lava-Tunnels, die du sogar teilweise durchwandern kannst.

Zu den Highlights gehören auch zwei alte Dörfer, die aus dem grob gräulichen Vulkangestein errichtet wurden. Leider sind viele der alten Gebäude nicht mehr in einem guten Zustand.

 

Grund 8: Weil der Fisch so frisch ist

Bei so viel Meer ist es nicht überraschend, dass Hainan ein Paradies für jeden ist, der Fisch und Meeresfrüchte mag. Du brauchst nirgendwo weit zu gehen, um ein Restaurant zu finden, das alle möglichen und unmöglichen Fischarten in grossen Glasbehältern ausstellen. Hummer, Muscheln oder Fisch? Oder lieber Seesterne, Seegurken oder See-Eier? Du hast die Qual der Wahl.

Die Speisen sind generell frisch – auch in den vielen eher unscheinbaren Strassenrestaurants mit Plastiktischen und -stühlen. Es lohnt sich jedoch, die Preise zu vergleichen. Insbesondere wenn du dich von den Hauptstrassen wegbewegst, kann der Preis leicht auf die Hälfte fallen.

Noch ein kleiner Spezialtipp: Wenn du dich für Fisch interessierst, solltest du früh morgens durch die Gassen von Sanya spazieren. Dann breiten die Fischer nämlich ihren Fang auf dem Boden zum Trocknen aus. Ein bizarrer Anblick, wenn all die Tiere goldig im Morgenlicht glänzen.

Die für Hainan bekannteste Spezialität stammt allerdings nicht aus dem Meer und ist nur etwas für ganz abenteuerliche Gourmets: Frittierte Seidenrauben. Das habe ich sogar  selber noch nie versucht.

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Am Morgen breiten die Fischer ihren Fang aus.

 

Tipp 9: Weil alles etwas entspannter zugeht

Ein Spaziergang durch Hainans Städte lohnt sich nicht nur am frühen Morgen. Selbst Sanya mit etwas mehr als einer halben Million Einwohnern versprüht ein entspanntes, südländisches Flair. Unter den Schatten spendenden Bäumen kannst du den Einheimischen zusehen, wie sie Karten spielen, sich im Schach messen oder abends gemeinsam tanzen.

Als „Langnase“ wirst du vermutlich auffallen und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sich chinesische Touristen mit dir fotografieren lassen wollen. Spiel da am besten mit, denn es macht Spass mit den Leuten zu kommunizieren. Wenn du etwas Glück hast, triffst du sogar jemanden, der einigermassen Englisch spricht und mit dem du spannende Gespräche führen kannst.

Gemütlichkeit wird auf Hainan gross geschrieben.

 

Grund 10: Weil man auf Hainan alt wird

Das Leben auf Hainan muss unglaublich gesund sein. Dies legt zumindest die Statistik nahe. In keiner anderen chinesischen Provinz werden die Menschen so alt wie auf Hainan. Im 4000-Seelen-Dorf Luo Yi im Norden der Insel waren bei der letzten Zählung 126 Personen älter als 80 Jahre und 27 sogar älter als 90 Jahre.

Im 560.000 Einwohner zählenden Landkreis Chengmai, in dem sich auch Luo Yi befindet, haben 200 Menschen ihr hundertstes Lebensjahr erreicht oder überschritten. Das sind 17 Mal mehr als der Landesdurchschnitt und auch international eine beindruckend hohe Zahl.

Die Gründe für die Langlebigkeit sind nicht ganz klar. Meistens werden die gute Luft, das saubere Wasser und die ballaststoffreiche Küche mit viel Gemüse und wenig Fleisch genannt. Wichtige Faktoren können jedoch auch sein, dass sich die Menschen viel im Freien aufhalten und dass auf der Insel generell ein gemächlicherer Lebensstil gepflegt wird.

Ob sich das alles bei einem kurzen Besuch auch auf Dich auswirkt, ist fraglich. Aber ganz ehrlich: Die anderen neun Gründe sind doch alleine schon überzeugend genug.

Skulptur im Nanshan-Tempel.

Schlusswort

Hainan ist eine Traumdestination mit Abstrichen. Zweifellos gibt es auf der Insel jede Menge zu sehen und auch das angenehme Wetter sowie die entspannte Stimmung sind Gründe, sich in die Insel zu verlieben.

Gleichzeitig kann es auf der Insel aber auch ziemlich voll werden und es wird einem immer mal wieder auf unangenehme Weise deutlich, dass viele touristische Produkte vor allem darauf ausgelegt sind, einen möglichst grossen Profit abzuwerfen. Aber das in anderen Regionen Chinas nicht anders.

Auch wenn Hainans Strände zum Besten gehören, was die Volksrepublik zu bieten hat: Gegen echte Inselnationen wie Indonesien oder den Philippinen hat Hainan keine Chance. Deswegen ist Hainan vor allem für diejenigen interessant, die eine China-Rundreise noch mit ein paar warmen Tagen am Strand abschliessen wollen.

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