Gerade gibt wieder die hohe Luftverschmutzung von sich zu reden, welche chinesische Städte im dichten Nebel verschwinden lässt. In diesem Beitrag will ich schildern, wie schlimm der Smog in Peking wirklich ist und wieso er dich nicht von einer Chinareise abhalten sollte.

Ich will nichts schön reden: Die hohe Luftverschmutzung im Winter 2012/2013 war (neben dem schrecklichen Verkehr und der Internetzensur) der wichtigste Grund, wieso ich mich entschlossen habe, meiner Wahlheimat Peking nach sechs Jahren den Rücken zu kehren. Ausschlaggebend war ein Abend im letzten Dezember. Ich war gerade daran, einen Arbeitskollegen zu besuchen, der in den Kempinski Apartments wohnte.

Dass ich bisweilen mit dem Taxi durch apokalyptische anmutende Stadtlandschaften fahren muss, daran hatte ich mich in den Jahren etwas gewöhnt. Doch als ich an jenem Abend ins Innere des Gebäudes trat und durch einen vielleicht 40 Meter langen Zugangsweg lief, stockte mir der Atem: Das Ende des Ganges war nur knapp erkennbar. Der viele Feinstaub in der Luft verursachte ein deutlich erkennbare Trübung. Und das auf eine so kurze Distanz. Das war der Abend, an dem ich mich entschloss zurückzukehren.

Die Verschmutzung in Relation

Später erfuhr ich, dass die Feinstaubbelastung an diesem Abend bei über 730 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lag. Natürlich konnte ich mit dieser Zahl zunächst nichts anfangen. Aber ich konnte sie vergleichen. Die Weltgesundheitsbehörde WHO bezeichnete eine Feinstaubbelastung von bis zu 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als unbedenklich.  Wir hatten in dieser Nacht den Grenzwert also fast um das Dreissigfache überschritten. Wenn der Wert in der Schweiz auf mehr als 50 steigt, dann gibt es auf den Autobahnen eine reduzierte Tempolimits. Ich kann mich nur an einen Fall erinnern, als das passiert ist.

Blauer Himmel

Ein klarer Tag in Peking. Dieses Foto vom Himmelstempel entstand nur zwei Tage nach dem trüben Titelbild mit der Verbotenen Stadt.

Das Beispiel war eine extreme Nacht, und genauso wie die hohe Luftverschmutzung der letzten Woche in diesem Jahr durch die Presse ging, brachten auch vor einem Jahr fast alle Zeitungen im Westen Bilder einer Stadt, die daran war, an den eigenen Abgasen zu ersticken. Im Alltag sieht die Lage jedoch anders aus. Es gibt regelmässig Tage, in denen der Himmel so strahlend blau ist wie in den Alpen. In der Regel hast du pro Woche einen sehr guten Tag und einen sehr schlechten Tag. In den meisten Fällen etwas dazwischen.

Laut WHO lag der durchschnittliche jährliche Feinstaubgehalt pro Kubikmeter in Peking im letzten Jahr bei 121 Mikrogramm. Das ist nicht gut, aber bedeutend weniger schlimm, als es zunächst klingt. In Deutschland hatte beispielweise im gleichen Jahr die Messstation an der Brackeler Strasse in Dortmund an nicht weniger als 81 Tagen eine Überschreitung des Grenzwertes von 50 Mikrogramm registriert.

Auch wenn der Smog in Peking häufiger als jede andere Dunstglocke in den Medien ist, befinden sich die schmutzigsten Städte längst nicht mehr in China. So leidet beispielsweise Indien sehr viel stärker unter Feinstaub: So lag der Wert in Delhi bei 198 Mikrogramm, in Kalkutta bei 148 Mikrogramm und in Mumbai bei 132 Mikrogramm. Noch schlimmer sieht es in der mongolischen Stadt Ulaanbaatar aus, die mit einer Belastung von 279 Mikrogramm pro Kubikmeter auf Platz zwei der Städte mit der stärksten Luftverschmutzung steht. Auf Platz eins rangiert übrigens laut WHO-Bericht die iranische Stadt Ahwaz mit einem Wert von 379 – ein Ort, von dem ich noch nie gehört habe, obwohl ich den Iran schon bereist habe.

Wann ist der Smog in Peking besonders schlimm?

Die Dichte vom Smog in Peking hängt stark vom Wetter und insbesondere vom Wind ab. Da die chinesische Hauptstadt an drei Seiten von Bergen umschlossen ist, bleibt die schmutzige Luft bei ungünstigem Wind oft einfach stellen. Sobald er von der richtigen Seite bläst, ist der ganze Dreck innerhalb von wenigen Stunden weg .

Im Winter heizen viele Familien mit Kohle. Foto aus Pingyao.

Im Winter heizen viele Familien mit Kohle. Foto aus Pingyao.

Tröstend für Touristen ist, dass die wirklich schlimmen Tage immer im Winter sind. Das hat seinen Grund. In der kalten Jahreszeit pusten nämlich nicht nur die Millionen Autos ihre Abgase in die Atmosphäre, sondern in den alten Häusern in der Innenstadt und in den ländlichen Vorortsgebieten heizen viele Familien mit Kohle.

Wie kannst du dich schützen?

Feinstaub schadet der Gesundheit. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, dass ein Anstieg der durchschnittlichen Feinstaubkonzentration um zehn Tausendstel Gramm pro Kubikmeter Luft das Lungenkrebsrisiko um 22 Prozent erhöht – kein sehr erfreuliches Ergebnis. Wer lange in China bleibt, kann sich daher den Kauf eines Luftfilters überlegen. Allerdings sind die Geräte mit bis zu 1000 Euro ziemlich teuer und nur von einer beschränkten Wirkung, da viele Häuser mehr schlecht als recht insoliert sind. An meinem letzten Arbeitsplatz haben wir einmal Messungen durchgeführt, bei denen sich gezeigt hat, dass die Belastung trotz ständig laufender Filter nur um etwa die Hälfte zurückging. Das ist nicht ideal, aber immerhin etwas.

Für Touristen sind solche Maschinen natürlich keine Option. In meinem Umfeld kenne ich eine Reihe von Leuten, die sich Atemschutzmasken gekauft haben. Den stärksten Schutz geben Vollmasken ab wie diese hier*. Besorgten Reisenden empfehle ich jedoch eher eine günstige Einwegmaske wie diese hier*. Die kosten nicht viel und passen hervorragend ins Gepäck. Persönlich bin ich jedoch der Meinung, dass es solche Masken nicht wirklich braucht.

Auf alle Fälle ist es sinnvoll zu wissen, wie hoch die Verschutzung gerade ist. Als ich in China lebte, hatte ich mir die App Beijing Air Quality  aufs Handy installiert. Sie zeigt nicht nur die aktuellen Werte an, sondern lässt auch ihren Verlauf bis zu einem Monat zurückverfolgen. Ich habe mich für diese App entschieden, weil ich mir mittels einem Widget die aktuellen Werte aufs Handy Desktop ausgeben konnte und weil sie die Daten der amerikanischen Botschaft verwendet . Die chinesischen Werte sind nämlich stets etwas zu tief angesetzt. Allerdings beschränkt sich diese App ausschliesslich auf Peking. Es gibt auch eine Reihe von anderen Handyprogrammen, die ich nicht ausprobiert habe. Falls du ein gutes Programm kennst, kannst du es gerne in den Kommentaren empfehlen.

Wieso dich das nicht von einer Chinareise abhalten soll

Ich wurde einmal gefragt, ob man krank wird, wenn man zwei Wochen durch China reist. Das ist natürlich Unsinn. In China gibt es über eine Miliarde Menschen, die nicht alle innerhalb von wenigen Wochen an Lungenkrebs sterben. Dazu kommt, dass die Feinstaubbelastung nicht überall hoch ist. Während der Smog in Peking wirklich nicht toll ist, sind die Bergregionen in Tibet und Qinghai sehr sauber. Ebenfalls sieht es in den zahlreichen Küstenstädten sehr viel besser aus. Letztlich finde ich aber, dass das Land China so viel zu bieten hat, dass man diese paar wenigen Tage mit schlechter Luft mit gutem Gewissen in Kauf nehmen kann.

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4 Kommentare

  1. Ganz toller Beitrag, danke. Das kann ich nur bestätigen. In den gut 3,5 Jahren China litten wir nie wirklich an der Luftverschmutzung (obwohl wir natürlich auch nicht in einer Grossstadt lebten). In Delhi war die ganze Familie gräulich und krank vom schlimmen Smog.

  2. […] Schadstoffwerten wie in Europa und ohnehin ist nicht ganz China so schlimm wie Peking. Das habe ich hier genauer […]

  3. Ein Kollege besucht regelmäßig China und führt den Staub zum erheblichen Teil auch auf Löss eingeweht aus der Wüste Gobi zurück.

    1. Ja, das gibts schon auch. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann wären die Partikel aus dem Läss eher Grobstaub, den man vom lungengegängigen und deswegen deutlich gefährlichereren Feinstaub unterscheiden sollte. Dieser entsteht (zumindest in Peking) zu einem grossen Teil wegen des Verkehrs, der Kohleverbrennung und der Industrie. Ich hab mal eine genaue Auflistung nach Quellen gelesen, aber kann micht nicht mehr an die genauen Zahlen erinnern.

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