Der einzigartige Betonklotz: Der Eingang zum ehemaligen Schlachthaus von Shanghai. Fotos: Oliver Zwahlen

Der einzigartige Betonklotz: Der Eingang zum ehemaligen Schlachthaus von Shanghai. Fotos: Oliver Zwahlen

Einst wurden Kühe und Büffel über die Rampen getrieben, heute besuchen vor allem Touristen und besser situierte Einheimische das ehemalige Schlachthaus von Shanghai. Die Konstruktion im Art Deco-Stil hat sich zu einem neuen Kreativzentrum der Stadt gemausert. Ein Erlebnisbericht.

Die Kreativindustrie boomt in China. Eines ihrer bekanntesten Zentren ist die Kunstfabrik 798 in Peking, welche mittlerweile (vollkommen zurecht) bei den meisten Touristen fest im Programm steht.  Doch gibt es im ganzen Land noch zahlreiche andere Zentren, die bei Besuchern bei weitem nicht so bekannt sind.

Eines davon habe ich vor rund zwei Jahren bei meinem letzten Aufenthalt in Shanghai besucht: Es heisst Shanghai 1933 und ich kann jedem Reisenden empfehlen, dort kurz vorbeizuschauen, zumal die Anfahrt mit der Metro sehr einfach ist: Von der Station Hailun Lu (Linie 4) sind es nur gerade fünf Minuten zu Fuss durch den historischen Hongkou-Bezirk – jenem Teil der Stadt, an dessen alten, zweistöckigen Gebäuden man die Geschichte des alten Shanghais noch fühlen kann.

Eine blutige Geschichte

1933 war das Gebäude von Britischen Architekten als einer der grössten Schlachthöfe der damaligen Zeit errichtet worden. Ähnliche Bauten sind auch in London und den USA entstanden – und inzwischen wieder abgerissen worden. Später wurden die Räumlichkeiten von Shanghai 1933 in eine Manufaktur für chinesische Medizin verwandelt, nochmals ein paar Jahre später dienten sie als Lagerhalle bis die ganze Sichtbeton-Konstruktion dermassen baufällig geworden ist, dass das Gebäude aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwendet werden durfte.

Vor rund acht Jahren hatte man die Renovation des ehemaligen Schlachthaus von Shanghai beschlossen. Es sollte in ein „Hub für die Kreativindustrie“ verwandelt werden. Bei meinem Besuch war zwar noch nicht so viel los und ich kann mir vorstellen, dass sich seither kaum etwas daran geändert hat. Es gab einige Kunstläden und unterschiedliche Restaurants. Doch der Besuch lohnt sich alleine schon wegen der aussergewöhnlichen Architektur.

Zugangssperren: Über die Breite der Brücken liess sich der Zustrom der Schlachttiere regulieren.

Zugangssperren: Über die Breite der Brücken liess sich der Zustrom der Schlachttiere regulieren.

Betritt man den Haupteingang, fühlt man sich für einen Moment in ein modernes Einkaufszentrum versetzt. Doch schon bald merkt man, dass hier etwas anders ist: Zunächst muss man immer wieder an ungünstig platzierten Betonpfeilern vorbeigehen, die in ihrer Form Blumen gleichen. Während die Säulen im Erdgeschoss ziemlich dick sind, werden sie auf jeder weiteren Etage etwas dünner.

Von kleinen und grossen Brücken

Auf Schildern erfährt man, dass sie nicht nur der Statik dienten, sondern auch den Zweck hatten, die Tiere auseinanderzutreiben. Über 300 Säulen soll es im ganzen Gebäude geben. Eine weitere architektonische Besonderheit sind die unterschiedlich breiten Brücken, welche vom äusseren Bereich in den eigentlichen Schlachtbereich im Innern führen. Über ihre Breite war der Zustrom der Tiere geregelt worden. Die ganz dünnen Brücken dienten den Viehtreibern als Fluchtort für den Fall, dass die Herde in Panik getriet.

Kleine Bistros: Hier lässt sich die Zeit totschlagen.

Kleine Bistros: Hier lässt sich die Zeit totschlagen.

Während ich mich durch die Gänge nach oben arbeite, begegnen mir zahlreiche Fotogruppen. An einer Ecke steht ein Mann mit einem Lendenschutz, der von oben bis unten mit Mehl bedeckt war. Rund 20 Leute knippsen ihn mit ihren fetten Kameras ab. Wenige Meter daneben lehnt eine junge Frau an der Wand und lässt sich ebenfalls von zahlreichen Fotografen ablichten. Offenbar bietet Shanghai 1933 für werdende Fotografen ein hervorragendes Übungsumfeld.

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