Der Potala-Palast in Lhasa: Ein wichtiges Ziel für die meisten Reisen nach Tibet. Fotos: Sebastian Kühn

Der Potala-Palast in Lhasa: Ein wichtiges Ziel für die meisten Reisen nach Tibet. Fotos: Sebastian Kühn

Wolltest du schon lange nach Tibet, hast jedoch wegen des großen Organisationsaufwands davor zurückgeschreckt? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für Dich: Eine Schritt für Schritt-Anleitung zur Organisation deiner Tibetreise.

Gastbeitrag von Sebastian Kühn, Wireless Life

Lange Zeit stand ein Besuch Tibets ganz oben auf meiner Bucket List. In regelmäßigen Abständen habe ich mich zu den aktuellen Einreisebestimmungen informiert, nur um dann immer wieder enttäuscht zu lesen, dass die Grenzen für Touristen dicht gemacht wurden oder eine Einreise nur als Gruppe möglich ist.

Mittlerweile hat die chinesische Regierung die Regulierungen etwas gelockert, so dass eine Reise nach Tibet derzeit einfacher ist als je zuvor. Diese Chance habe ich Ende 2013 genutzt. Heute möchte ich dir ein paar Tipps geben, damit du dir den Traum vom Ausflug zum Dach der Welt ebenfalls erfüllen kannst.

Diese Dokumente brauchst du für die Einreise nach Tibet

Auch wenn die Einreisebestimmungen gelockert wurden, ist es immer noch kein Kinderspiel nach und durch Tibet zu reisen. Das Auswärtige Amt warnt seit Jahren davor, dass es immer wieder zu zeitweisen Einschränkungen bei Reisen nach Tibet kommen kann. Von Februar bis März werden generell keine Travel Permits ausgestellt. Aktuelle Informationen zur Einreise nach Tibet liefert diese Seite. Vor der Reiseplanung solltest du dich also unbedingt über aktuelle Geschehnisse informieren.

Seit dem letzten Jahr kannst du generell auch ohne eine Gruppe nach Tibet einreisen. Lange Zeit war dies nur möglich, wenn du mindestens 4 Mitreisende der gleichen Nationalität hattest. Aktuell kannst du dich entweder einer Gruppenreise anschließen oder auch eine private, geführte Tour unternehmen.

Begehrtes Papier: Das Tibet Travel Permit erlaubt, Tibet zu bereisen.

Begehrtes Papier: Das Tibet Travel Permit erlaubt, Tibet zu bereisen.

Grundsätzlich gilt, dass du dich außerhalb von Lhasa nur mit einem lokalen Reiseführer bewegen darfst. Und um es erst einmal bis in die tibetanische Hauptstadt zu schaffen, benötigst du nicht nur ein chinesisches Visum, sondern auch das gesonderte Tibet Entry Permit. Aber immer der Reihe nach…

Um nach Tibet einreisen zu dürfen, brauchst du die folgenden Dinge:

  • Chinesisches Visum: das Visum für China ist die Grundlage für die Einreise nach Tibet
  • Tibet Entry Permit: Spezialgenehmigung, die das Fremdenverkehrsamt in Lhasa ausstellt.
  • Reiseveranstalter: nur akkreditierte Reiseveranstalter dürfen das Entry Permit beantragen. Außerdem darfst du dich ohne Reiseführer nicht frei in Tibet bewegen.

Chinesisches Visum

Es wird immer schwieriger das Visum für die Volksrepublik China zu bekommen. Nach eigenen Erfahrungen und Berichten von Bekannten werden die chinesische Botschaften in Deutschland immer strenger, wenn es um die korrekte Einreichung aller Dokumente geht. Hier gilt also den Antrag so gut wie möglich vorzubereiten.

Stellen kannst du den Antrag entweder vor Ort beim chinesischen Konsulat bzw. der Botschaft oder über eine Visa-Agentur. In der Regel wirst du das L-Visum für Touristen beantragen. Ausnahmen gelten für Journalisten, Regierungsbeamte und Diplomaten, die China nicht als Touristen bereisen dürfen und denen eine Einreise nach Tibet in der Regel nicht gewährt wird. Weitere Informationen zum chinesischen Visum findest du hier.

Auf dem Dach der Welt: Ausblick auf den Mount Everest.

Auf dem Dach der Welt: Ausblick auf den Mount Everest.

Einreichen kannst du den Antrag frühestens 3 Monate vor der geplanten Abreise. Empfohlen wird ein Zeitpuffer von mindestens einem Monat. Da du im Nachhinein noch das Tibet Entry Permit beantragen musst, würde ich raten, zwei Monate Vorlaufzeit einzuplanen.

Was du für den Visumsantrag brauchst:

  • Reisepass: muss wie gewohnt zum Zeitpunkt der Visumbeantragung noch mindestens 6 Monate lang gültig sein.
  • Flugticket für Weiterflug: eine ausgedruckte Kopie deines Rück- oder Weiterfluges ist unabdingbar. Hier gibts Tipp für die Suche nach einem günstigen Flug,
  • Buchung der Unterkunft: für die gesamte Dauer musst du nachweisen, wann du wo bist. Alternativ buchst du einfach das günstigste Hostel, das du am Ankunftsort finden kannst und stornierst dieses dann wieder, nachdem du die Buchungsbestätigung ausgedruckt hast. Oder du lässt dich von Freunden oder Verwandten schriftlich einladen (Formular zum Download).
  • Passbild: wie gewohnt ein Pass-gerechtes Foto (ca. 48 x 33 mm) mit weißem Hintergrund.
  • Visumsantrag: den Antrag kannst du hier herunterladen. Beim Feld, in das du deine geplante Route einträgst, empfehlen die meisten Reiseanbieter, Tibet nicht zu erwähnen.

Tibet Entry Permit (TTB Permit)

Das Tibet Entry Permit ist die Einreisegenehmigung für Tibet, die vom dortigen Fremdenverkehrsamt ausgestellt wird. Manche Fluglinien verlangen eine Kopie des Entry Permit bei Flugbuchungen oder beim Check-In am Flughafen. Spätestens bei der Einreise per Flugzeug oder Zug und bei der Ankunft im Hotel muss die Einreisegenehmigung vorgelegt werden.

Die Einreisegenehmigung ist an sich kostenlos, jedoch werden die meisten Agenturen eine Gebühr für die Beantragung erheben, was durchaus fair ist. Bis zur Ausstellung solltest du ungefähr 20 Tage einplanen.

Gebetsfahnen im Wind: Die tibetische Kultur durchdringt jede Ecke des Himalayas.

Gebetsfahnen im Wind: Die tibetische Kultur durchdringt jede Ecke des Himalayas.

Für die Beantragung musst du deine Kopie bzw. einen Scan deines Reisepasses einreichen, die neben der Hauptseite auch dein chinesisches Visum zeigt. Dazu kann es auch sein, dass du einen Nachweis deiner derzeitigen Beschäftigung erbringen musst. Da die Beantragung komplett über deinen Reiseveranstalter läuft, musst du dir hier keine großen Sorgen machen.

Mit dem Tibet Entry Permit bekommst du auch das Alien Travel Permit (PSB Permit), welches in Tibet vom Public Security Bureau ausgestellt wird. Diese Erlaubnis sorgt als Zutrittsgenehmigung für viele Regionen Tibets außerhalb von Lhasa, in denen du dich als Ausländer sonst nicht bewegen dürftest. Das Alien Travel Permit wird nach deiner Ankunft vom Reiseveranstalter beantragt und muss während deiner Tour ständig beim Reiseleiter sein.

Reiseveranstalter

Bei der Auswahl des Reiseveranstalters kommt es vor allem darauf an, ob du ein Gesamtpakt inklusive Flug aus Deutschland buchst oder dir deine Reise selbst zusammenstellen willst. Der Vorteil bei den Paketen ist, dass du nur die benötigten Unterlagen einreichen und dich nicht weiter mit organisatorischen Dingen plagen musst.

Brache Landschaft: Auf der tibetischen Hochebene können nur wenige Pflanzen überleben.

Brache Landschaft: Auf der tibetischen Hochebene können nur wenige Pflanzen überleben.

Günstiger wird es, wenn du direkt mit einem Reisebüro in Tibet buchst und dir den Flug selbst organisierst. Als ich mich damals informiert habe, gab es ungefähr 10 Agenturen in Tibet, bei denen eine einwöchige Gruppentour (max. 6 Personen) inklusive Hotel, Transport, Führer und Beantragung der Einreisegenehmigung zwischen 500 und 800 Euro gekostet hat. Eine deutliche Ersparnis also, wobei der Organisationsaufwand für chinesisches Visum und Flug dazu kommt. Ich kann dir meinen Veranstalter Access Tibet Tours wärmstens empfehlen.

Werbung: Ein interessantes Zwischending ist Evaneos. Die französische Webseite vermittelt dich an lokale Reiseunternehmen, die dir ein massgeschneidertes Angebot zu guten Preisen anbieten. Trotzdem hast du einen europäischen Versicherungsschutz bei Ausfällen. Fordere kostenlos ein unverbindliches Angebot an.

Die Touren der Reiseveranstalter ähneln sich im Grunde sehr. Entscheiden kannst du über die Länge der Tour, die Qualität der Unterkünfte und ob du eine private Tour oder eine Gruppentour bevorzugst.

  • Länge der Tour: ganz grob können die drei Kategorien „Lhasa und Umgebung“ (2-4 Tage), 7 Tage Overland-Tour und ausgedehnten Touren mit einer Dauer von mehr als 10 Tagen unterschieden werden.
  • Private Tour oder Gruppentour: die meisten Anbieter nehmen maximal 6-8 Personen in die Gruppe auf, wodurch die Tour in einem sehr persönlichem Rahmen stattfindet. Für privat geführte Touren solltest du in etwa mit dem doppelten Preis rechnen.
  • Qualität der Unterkünfte: alle Reiseveranstalter bieten die Auswahl zwischen 2 verschiedenen Klassen von Hotels. Meiner Erfahrung nach ist die günstige Klasse mit 2 – 3-Sterne-Hotels nach europäischem Standard vergleichbar.

Achte beim Buchen auch darauf, ob alle Kosten für Führer, Minivan, Übernachtungen, Frühstück, Transport und Gebühren für Tempel und Maut im Preis enthalten sind.

Die beste Reisezeit ist übrigens wettertechnisch von Mai bis Oktober, vor allem wenn du das Mt. Everest Base Camp besuchen willst. Während dieser Zeit ist es am wärmsten und der Himmel ist für gewöhnlich klar, was bei diesen Ausblicken über den Himalaya essentiell ist.

Eigene Einreise nach Tibet

Wenn du dich dafür entscheidest, selbst nach Tibet zu reisen und lediglich die Tour vor Ort zu buchen, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Du erreichst Lhasa mit dem Flieger aus Nepal in Kathmandu oder von verschiedenen Flughäfen in China. Die günstigsten Flüge gibt es in der Regel von Chengdu.

Wer es besonders abenteuerlich mag und gutes Sitzfleisch hat, für den ist die Lhasa-Bahn von China nach Tibet ein absolutes Highlight mit einzigartigen Ausblicken von über 5.000 m Höhe. Die Bahn startet in Peking, Shanghai oder Guangzhou und braucht von dort aus zwei volle Tage bis nach Lhasa. Alternativ könntest du auch in Xi’an oder Xining zusteigen, um nur den letzten, spektakulären Teil der Zugfahrt mitzunehmen.

Alternative für Ein- und Ausreise nach Tibet: Der Grenzübergang zu Nepal bei Kodari.

Alternative für Ein- und Ausreise nach Tibet: Der Grenzübergang zu Nepal bei Kodari.

Von Kathmandu aus kannst du theoretisch auch in zirka drei Stunden mit Bus oder Taxi an die Grenzstadt Kodari fahren und dich von dort von deinem Reiseführer abholen lassen. Solltest du dich für eine Einreise über Nepal entscheiden, dann musst du das chinesische Visum allerdings in Kathmandu beantragen und dafür ein bis zwei Wochen einplanen.

Meine Empfehlung: reise von China aus ein und lasse dich von deinem Reiseveranstalter an der Grenze zu Nepal verabschieden (Overland-Tour mit Drop-Off in Kodari). Mit den meisten Agenturen wirst du das problemlos absprechen können. Somit verschaffst du dir einen guten Einblick in die sehr unterschiedlichen Nachbarländer und machst das Beste aus deinem China-Visum. Das Visum für Nepal kannst du dir übrigens problemlos für 30 USD an der Grenze holen.

Fazit

Es gibt sicher Reiseziele, die mit weniger Aufwand und mit deutlich geringerem Budget zu erreichen sind, jedoch hat kaum eine Destination so viel spirituelle und kulturelle Highlights zu bieten wie Tibet. Dazu kommen noch die spektakulären Ausblicke auf über 5.000er und die Reise zum höchsten Berg der Welt.

Auch wenn die Beantragung aller Dokumente etwas nervenaufreibend sein kann, solltest du deine Pläne daran nicht scheitern lassen. Hier nochmal kurz und knapp die drei wichtigsten Punkte für die Reiseplanung:

  1. Reiseveranstalter suchen und Tour buchen
  2. Visum für China beantragen – ca. 1 Woche einplanen
  3. Tibet Entry Permit via Reiseveranstalter – ca. 20 Tage einplanen

Dann bleibt mir nur noch, dir eine unvergessliche in Tibet zu wünschen. Ich kann dir versprechen, dass es wirklich ein magisches Erlebnis wird, das den Organisationsaufwand wert ist.

Der Gastautor: Sebastian ist ein 31-jähriger Blogger und Online Unternehmer, der seine Homebase seit 2012 in Shanghai hat. Auf seinem Blog Wireless Life schreibt er über den Aufbau eines Online Business und das Leben als digitaler Nomade. Auf My Wireless Life bietet er (angehenden) Bloggern, Online Unternehmern und Freiheitsliebenden eine Plattform zum Austausch, Netzwerken und gemeinsamen Lernen.

Bist du neu hier? Dann schau dir hier an, was Sinograph bezweckt? Wenn du auf der Suche nach Reiseinspitation bist, dann schau dich hier in der Rubrik Reiseziele um. Und vergiss nicht, Facebookfan von Sinograph zu werden. Praktische Reisetipps findest du im Chinareiseforum.

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4 Kommentare

  1. Lieber Oliver,
    vielen Dank für den schönen Artikel!
    Kannst Du mir mit eventuell bei einer Frage helfen? Wir würden gerne so autonom wie möglich nach Tibet reisen. Ist es denn möglich wenn ich bei Kauf den Zugtickets den Permit bekomme in Lhasa zu bleiben und mir dann eventuell vor Ort einen Guide zu suchen um noch weiter zu reisen? Wir wollten auch mit der Bahn weiter nach Shigatse fahren. Weisst Du zufällig eine gute Reiseagentur in Lhasa? Es wäre toll wenn Du mir helfen könntest! Liebe Grüße!

    1. Hallo,
      Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Wenn ich das richtig verstanden habe, musst du beim Kauf des Zugtickets bereits das Permit vorlegen. Anders gesagt: Ohne Permit kommst du gar nicht erst nach Lhasa hoch. Da ich selber nicht in Tibet war, kann ich aber nur Erfahrungen aus zweiter Hand weitergeben. (Das hier ist ja ein Gastartikel von Sebastian.)
      Gruss,
      Oli

  2. Hallo Oliver! Komme bei der Planung nicht weiter- hoffe hier auf Hilfe.
    März: Nepal. Idee ist anschließend über Lhasa mit der Bahn nach Peking und vom dort weiter nach Südostasien zu fliegen.
    Wie beginne ich? Erst Visum beantragen und danach vor Ort ein Zugticket kaufen?
    Überall steht nur „andersrum“ was von der Lhasa-Bahn beschrieben=>> der Zug muss doch wohl zurückfahren 😉
    Ich freu mich auf sympathische Unterstützung. LG Jacky

    1. Hallo Jacky,

      das Problem ist nicht der Zug. Der fährt natürlich zurück. Der Grund, wieso die Reise immer in die andere Richtung empfohlen wird, ist folgender:

      In Nepal kannst du eine Tibet-Rundreise buchen und das klappt auch ganz gut. Das Problem: Du bekmmst ein chinesischen Visum für eine Reisegruppe und das erlaubt nicht, im Anschluss an Tibet alleine in China weiterzureisen.

      Du könntest natürlich auch dein Visum schon vorher beantragen, aber nach allem, was ich bisher gehört habe, wird dann die chinesische Botschaft in Kathmandu dein Chinavisum mit einem Gruppenvisum ersetzen und dann hast du wieder das gleiche Problem.

      Die praktikablste Lösung wäre, ein gewöhnliches chinesischen Touristenvisum zu beantragen und von Nepal nach Chengdu oder Kunming zu fliegen. Dort beantragst du dann mit einem chinesischen Reisebüro die notwendigen Papiere und reist in der Gruppe nach Tibet.

      Wenn es aber nicht Tibet sein muss: Es gibt in China mehrere tibetische Siedlungsgebiete, die du auf eigene Faust besuchen darfst. Zum Beispiel die Provinz Qinghai sowie der Westen von Sichuan und Yunnan. Meiner Meinung nach ist das die bessere Option.

      Was das symphathisch genug? 🙂

      Gruss,
      Oli

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