Einer der schönsten Tempel in Hongkong

Der Nan Lian Garten ist Teil eines grösseren Tempelkomplex im Zentrum von Hongkong. Fotos: OZ

Hongkong besteht nicht nur aus schwindelerregenden Wolkenkratzern, quirligen Nachtmärkten und günstigen Einkaufszentren. In der Megametropole findest du auch einige der spannendsten Tempel von ganz Fernost. Hier stelle ich dir meine persönliche Top-Auswahl vor.

Wenn es einen Ort in China gibt, wo ich dir einen „Tempelmarathon“ ans Herz lege, dann ist das Hongkong. Dank der britischen Kolonialherrschaft konnten sich in der ehemaligen Kronkolonie viele Traditionen erhalten, die anderswo in China verloren gingen.

Während auf dem Festland viele Tempel zu kommerziellen Geldmaschinen geworden sind (der bekannte Shaolin-Tempel beispielsweise ist eine Aktiengesellschaft), verfügen die Tempel in Hongkong noch immer über eine treue Gemeinde und eine genuinen Sendungsauftrag.

Auch wenn die Tempel in Hongkong generell nicht sehr alt  sind (die meisten entstanden innerhalb der letzten 100 Jahre), so sind sie doch häufig sehr schön und bieten in der quirligen Stadt eine willkommene Ruheoase.

Bei meinem einwöchigen Besuch in Hongkong in diesem Sommer habe ich mehrere Tempel besucht und fand eigentlich fast alle interessant. Um dir bei der Auswahl zu helfen, stelle ich dir in diesem Artikel meine vier Lieblinge vor – sortiert nach meinem persönlichen Gefallen. Den Artikel werde ich bei meinem nächsten Besuch ergänzen. Falls du weitere Tipps hast, freue ich mich über Kommentare.

Top 1: Klein, aber fein – Der Man Mo Tempel

Hätte ich nicht mein GPS in der Hand gehalten, wäre ich vermutlich am Man Mo Tempel vorbeigelaufen. Das einstöckige Gebäude, das zwischen den für Hongkong typischen Hochhäusern eingeklemmt ist, ist von aussen ziemlich unscheinbar.

Sobald du aber durch die Tür gehst, betrittst du eine vollkommen andere Welt. In einem warmen Halbdunkel stehst du in einer reich dekorierten Halle, in der dem Gott der Literatur und dem Gott des Krieges gehuldigt wird. Als Blogger konnte ich nicht anders, als für „Man“ ebenfalls ein Räucherstäbchen anzuzünden.

Die Decke des Tempels ist mit mehreren Reihen von brennenden Räucherspiralen verhängt, die dem Tempel nicht nur seinen unverwechselbaren süsslichen und schweren Duft verleihen, sondern auch optisch einiges hergeben. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich in der heutigen Zeit der Rauchverbote das letzte Mal einen so rauchverhangenen Raum gesehen habe.

Einheimische besuchen den Tempel traditionell vor wichtigen Prüfungen.

Pro: Der 1847 errichtete Bau ist der älteste noch erhaltene Tempel Hongkongs. Obwohl er bereits mehrmals renoviert wurde, konnte er sein ursprüngliches Aussehen weitgehend behalten. Zudem befindet er sich sehr zentral auf Hongkong Island – früher oder später wirst du ohnehin an ihm vorbeigehen.

Contra: Der Tempel ist sehr klein. In ein paar Minuten hast du die beiden wichtigsten Räume gesehen. Ich bin allerdings fast eine Stunde geblieben, um die Stimmung aufzusaugen. Weiterer Minuspunkt: Auf Grund der Lage ist es nahezu unmöglich, den Tempel von aussen zu fotografieren.

Anreise: Der Tempel liegt sehr zentral auf Hongkong Island an der bekannten Hollywood Road 124. Von den Metrostation Central (Exit D2) oder die Station Sheung Wan (Exit A2) erreichst du den Tempel innerhalb von 5 Minuten zu Fuss.

Die zahlreichen Laternen hauchen den Man Mo Tempel in ein wunderschönes Licht.

Einheimische Opfern im Tempel, wenn sie vor schweren Prüfungen stehen.

Top 2: Der himmlische Garten – Chi Lin Nonnenkloster

Wenn du das Chi Lin Nonnenkloster betrittst, fühlst du dich in der wunderschönen Holzkonstruktion gleich ein paar Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückkatapultiert. Das ist kein Zufall, denn das Frauenkloster wurde im Stil der Tang-Dynastie gebaut – also in einem über tausend Jahre alten Baustil.

Lass dich vom Aussehen nicht der täuschen: Der Tempel besteht an dieser Stelle erst seit rund 80 Jahren und seine heutige Form hat er sogar erst 1990 erhalten. Trotzdem gibt es in Hongkong kaum einen Ort, wo du mehr Ruhe für dich finden kannst.

Der wahre Schatz der Tempelanlage ist jedoch der dazu gehörende Nan Lian Garten, der ebenfalls im Tang-Stil errichtet wurde und unglaublich schön anzusehen ist. Langweilig wird es dir im Garten nicht, weil es eine Reihe von kleinen Ausstellungen mit Steinen, Topfpflanzen und Holzarchitektur gibt. Ausserdem kannst du in einem vegetarischen Restaurant essen.

Pro: Sowohl Tempel wie auch der Garten sind sehr malerisch. Die alte Architektur bildet einen spannenden Kontrast du den Hochhäusern im Hintergrund.

Contra: Der Garten bedarf viel Pflege und bei meinen beiden Besuchen waren jeweils Teile der Parkanlage gesperrt. Betrüblich fand ich auch das Fotografierverbot im Hauptteil des Tempels.

Anreise: Das Nonnenkloster befindet sich in Diamond Hill am Chi Lin Drive 5. Am besten erreichst du den Tempel mit der MRT Station Diamond Hill (Exit C2) und folgst den Schildern. Etwa 5 Minuten zu Fuss.

Das Chi Lin Nonnenkloster ist wunderschöner Holzbau.

Der angeschlossene Nan Lian Garten ist die Hauptattraktion der Anlage.

Top 3: Der Riesenbuddha auf dem Berg – Po Lin Tempel

Der Po Lin Tempel ist der vermutlich bekannteste Tempel von Hongkong. Er befindet sich weit ausserhalb des Stadtzentrums auf der Insel Lantau in der Nähe des Flughafens. Die meisten besuchen ihn im Rahmen einer Lantau-Tour, die ich hier beschrieben habe.

So ist dann auch das erste Highlight bereits die Anreise. Du kannst nämlich mit einer Seilbahn auf den Berg fahren, deren Fussboden aus Glas ist. Glaub mir, das ist ziemlich eindrücklich. Alternativ kannst du die Strecke auch wandern.

Der eigentliche Tempel ist zwar gross und weitläufig, hat aber wenig, was du nicht schon hundertfach anderswo gesehen hast. Interessant sind vor allem die Sehenswürdigkeiten in seiner direkten Umgebung.

Den 34 Meter grossen Bronze-Buddha hast du bestimmt schon im einen oder anderen Prospekt gesehen. Sehr gut gefallen hat mir auch der Weisheitspfad.

Pro: Der Tempel befindet sich mitten in einem schönen Wandergebiet. Wenn du nach ein paar Tagen genug von der Hektik und dem Lärm von Hongkong hast, kannst du hier wieder deine Ruhe finden. Ausserdem lässt sich der Besuch mit dem spannenden Fischerdorf Tai O verbinden.

Contra: Der Po Lin Tempel befindet sich weit ausserhalb von Hongkong. Je nach Startpunkt und Schlangenlänge bei der Seilbahn, musst du mit einer Anreisezeit von 60 bis 90 Minuten rechnen. Pro Weg. Ausserdem hat sich das bei seiner Gründung im Jahr 1906 vollkommen abgelegenen Kloster heute in einen ziemlichen touristischen Rummelplatz entwickelt.

Anreise: Es ist nicht schwer, zum Riesen-Buddha und zum Po Lin Tempel zu gelangen, aber zeitaufwändig. Mit der MTR fährst du zur Station Tung Chung (Exit B). Von dort aus geht es weiter entweder in rund 45 mit dem Ngong Ping Cablecar oder in 45 Minuten mit Buslinie 23.

Das Hauptgebäude des Po Lin Tempels

Blick vom Tempel auf die grosse Buddha-Statue

Top 4: Kloster der Zehntausend Buddhas

Der Weg ist das Ziel – bei keinem anderen Tempel in Hongkong passt diese Aussage so gut wie beim Tempel der Zehntausend Buddha. Die Anlage erreichst du nämlich über eine lange Treppe an der sich eine Buddha-Statue an die nächste reiht. Einschliess der Figuren im Tempel selbst, sollen es ganze 13.000 sein.

Auch das in der 1960er Jahren entstandene Kloster der Zehntausend Buddha ist relativ neu. Das sieht man auch seinem Design an. So besteht die Wand im Hauptschrein zum Beispiel aus tausenden kleinen Buddhafiguren, die jeweils mit einer LED angeleuchtet werden. Das sieht unglaublich schön aus.

Die Anlage befindet sich weit oberhalb des Vororts Sha Tin und bietet an verschiedenen Orten einen guten Ausblick in das Tal und die Vorstadt.

Vorteil: Das Kloster ist in seinem Design ziemlich ungewöhnlich und vielleicht auch etwas schräg. Wer Tempel mag und auf der Suche nach einem Ausflugsziel ist, das er so noch nicht gesehen hat, wird hier vielleicht fündig.

Nachteil: Das Kloster ist nur über eine lange Treppe zu erreichen, was bei den tropischen Temperaturen in Hongkong eine ziemlich schweisstreibende Angelegenheit sein kann.

Anreise: Mit der Metro fährst du zur Station Sha Tin (Exit B). Hier folgst du der Bus-Rampe bis du zum Einkauszentrum „Homesquare“ kommst. Gleich dahinter beginnt der Aufstieg zur Tempelanlage. Der Weg ist allerdings etwas schwer zu finden.

Pagode im Tempel der Zehntausend Buddha

Der Name des Tempels ist nicht übertrieben. Ungefähr 13.000 Buddhafiguren sollen auf dem Gelände stehen.

Fazit

Mir haben die Tempel in Hongkong recht gut gefallen, zumal sie teilweise doch recht anders sind als auf dem chinesischen Festland. Ich könnte mir gut vorstellen, bei meinem nächsten Besuch der Metropole weitere religiöse Stätten zu besuchen – auch solche, die weniger bekannt sind.

Wenn du also genügend Zeit hast, würde ich dir empfehlen, den einen oder anderen Tempel in Hongkong zu besuchen.

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