Neben dem Shaolin-Tempel gibt es in „Splendid China“ über hundert weitere Nachbauten bekannter Sehenswürdigkeiten. Fotos: OZ

Du willst ganz China sehen, hast aber nur einen einzigen Tag dafür Zeit? Dann solltest du den Freizeitpark „Splendid China“ im südchinesischen Shenzhen besuchen. Er beherbergt über 100 Nachbauten der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

China auf einer einzigen Reise kennenzulernen, das ist eigentlich unmöglich. Selbst mit den modernen Hochgeschwindigkeitszügen und den inzwischen sehr guten Strassen brauchst du oft Tage, um vom einen Ende des Landes ins andere zu gelangen.

Zur gewaltigen Ausdehnung kommt die schiere Vielfalt: Über 50 Ethnien leben im Reich der Mitte und die Landschaftstypen reichen von sibirischer Tundra über endlose Sandwüsten und hochalpine Regionen bis hin zu subtropischen Inseln.

Um das alles auch nur im Ansatz zu sehen, bist du locker mehrere Monate unterwegs. Wenn es dir aber einfach darum geht, einen ersten Einblick ins Land zu gewinnen, gelingt dir das sehr viel schneller: Im Freizeitpark „Splendid China“ in Shenzhen bei Hongkong, den ich letztes Wochenende von Hongkong aus besuchte.

Was es im Park zu sehen gibt

Splendid China erstreckt sich über eine Fläche von rund 30 Hektar und ist von der Sonderwirtschaftszone Shenzhen umgeben. Fast in jede Richtung siehst du deswegen am Horizont hinter dem Park Wolkenkratzer. Das Gelände ist in zwei Bereiche aufgeteilt, die sich stark unterscheiden:

Im Miniaturenpark wurden rund hundert bekannte Sehenswürdigkeiten des Landes im Massstab 1:15 nachgebaut. Besonders eindrücklich sind die Verbotene Stadt und der Sommerpalast in Peking, aber auch der Potala-Palast in Lhasa, auf den du überraschenderweise von der Grossen Mauer herabblicken kannst.

Es gibt allerdings auch Nachbildungen von Natursehenswürdigkeiten wie dem Steinwald bei Kunming, der inzwischen nicht mehr existierenden Drei-Schluchten-Passage des Jangtse-Flusses oder einer begehbaren Tropfsteinhöhle in Guiyang.

Die einzelnen Sehenswürdigkeiten sind grob nach ihrer geografischen Lage auf dem Gelände verteilt. Zu jedem Exponat gibt es auf einer kleinen Schautafel die wichtigsten Informationen, weswegen Splendid China auch zu einem perfekten 3D-Führer für deine Reiseplanung werden kann.

Im Kulturdorf findest du liebevoll nachgebaute Wohnhäuser der Minderheitsvölker in Echtgrösse. Die meisten Gebäude sind so eingerichtet, als würden sie noch immer bewohnt – also mit Schlafzimmer, Küche, Wohnbereich und so weiter. Meistens kannst du die Häuser und Räume betreten.

Teilweise bilden mehrere Häuser ein kleines Dorf. Vor dieser Kulisse werden in der Regel zwei Mal täglich traditionelle Tänze in den Trachten der jeweiligen Minderheit aufgeführt. Die Uhrzeit steht am Eingang.

Zudem gibt es mehrere Arenen, in denen historische Ereignisse nachgespielt werden. Aus Zeitgründen habe ich keine dieser Shows besucht. Von anderen Besuchern habe ich gehört, dass sie sich ohne chinesische Sprachkenntnisse eher nicht lohnen.

Dorf der Dong-Minderheit in der Provinz Guiyang.

Das Hängende Kloster in der Nähe von Datong.

Geografisch nicht ganz korrekt: Blick von der Grossen Mauer auf den Potala.

Wie du im Park herumkommst

Ich habe den Park ausschliesslich zu Fuss besucht. Mit meinem Sightseeing begann ich gegen elf Uhr und verliess das Gelände erst nach dem vollständigen Eindunkeln gegen acht Uhr abends. In dieser Zeit gelang es mir, mir das meiste anzusehen. Ich hätte aber locker noch ein paar Stunden mehr im Park verbringen können.

Wenn dir die teilweise sehr langen Wege zu anstrengend sind, kannst du dich auch mit einem Spielzeug-Zug durch den Park fahren lassen. Für Familien gibt es spezielle Golf-Wagen. Ausserdem wird auf dem See und den Flüssen eine Bootsrundfahrt angeboten.

Wer es etwas abenteuerlicher mag, kann auch mit einer Zip-Linie über den See sausen – Zhangjiajie ist dabei der Startpunkt. Die Strecke ist ziemlich lang, aber auf Grund des flachen Winkels ist die Seilrutsche relativ langsam.

Wie authentisch der Park ist

Die Authenzität der Miniaturen unterscheidet sich sehr stark. Bei kleineren Exponaten wie dem Hängenden Kloster bei Datong oder dem Shaolin-Tempel bei Luoyang hatte ich den Eindruck, dass der Nachbau bis ins kleinste Detail korrekt ist.

Bei anderen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel der Verbotenen Stadt war mir nicht so ganz klar, welche Phase abgebildet wurde. Denn überraschenderweise fehlte am Eingang das Gemälde von Mao Zedong.

Wenig authentisch waren jedoch einige der Minderheitendörfer wie zum Beispiel Dali in Yunnan. Dort standen wahllos ein paar historische Gebäude, welche auf die bekannten drei Pagodas blickten.

Ebenfalls etwas fragwürdig ist der Ethnokitsch im Kulturdorf, der deutlich sichtbar politische Botschaften mit sich bringt – zum Beispiel wenn Minderheiten von Taiwan ebenfalls eingeschlossen sind oder wenn auf einer Schautafel Dschingis Khan als „grosser chinesischer Herrscher“ bezeichnet wird.

Insofern sind die dargebotenen Informationen mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Allerdings ist dies bei den echten Sehenswürdigkeiten nicht anders. Die Grosse Pagoda von Wuhan oder die „historische“ Innenstadt von Datong sind ebenfalls weitgehend ahistorische Fantasieprodukte. Auf eine seltsame Weise macht dies den Park sogar authentischer.

Im Kulturdorf befinden sich komplette Nachbauten von Wohnhäuser der chinesischen Minderheiten. Im Bild ein Buyei-Dorf.

Reiche Uighuren leben noch heute in solchen Wohnhäusern.

Innenraum eines Wohnhauses der Yi-Minderheit.

Praktische Tipps

  • Anreise: Der Eingang zu Splendid China befindet sich etwa 100 Meter vom Ausgang der U-Bahn-Station OCT (Linie 1) entfernt.
  • Eintritt: Der Park öffnet um 9.00 Uhr und schliesst gegen 21.00 Uhr. Letzter Einlass um 18.00. Da das Gelände wirklich riesig ist, empfehle ich, den Besuch bereits am Vormittag zu beginnen. Eintritt kostet derzeit 200 Yuan.
  • Route: Ich empfehle, die Miniaturen am Vormittag und/oder kurz vor dem Eindunkeln anzusehen. Viele von ihnen sind sehr schön beleuchtet. Das Kulturdorf solltest du am frühen Nachmittag besuchen, wenn die meisten Darbietungen stattfinden.
  • Verpflegung: Es gibt auf dem Areal verschiedene Restaurants, die allerdings etwas teuer sind. Ich empfehle, ein Picknick mitzubringen.
  • Schlummerdrunk: Bis zur OCT Loft sind es zu Fuss nur gerade zehn Minuten. Im Künstlerviertel gibt es stimmungsvolle Bars und Restaurants sowie jede Menge Ateliers und Galerien. Etwas weiter entfernt kannst du das abstruse „Modern Toilet“-Restaurant besuchen.
  • Spartipp: Die „Happy Line Monorail“ führt auf einem 25-minütigen Rundkurs durch mehrere Unterhaltungsparks einschliesslich Happy Valley, Splendid China und Window of the World. Du kannst zwar nirgends aussteigen und hast teilweise wegen den Bäumen eine eingeschränkte Sicht. Die Bahn hilft aber, wenn du nicht weiss, welchen Park du besuchen sollst, und kostet nur 50 Yuan.
  • Visum in Hongkong: Wenn du in Hongkong bist und dir lediglich die Themenparks in Shenzhen ansehen willst, kannst du direkt am Grenzübergang Lowu/Luohu ein Visa-On-Arrival beantragen. Das kostet 168 Yuan und berechtigt dich zu einem Besuch von Shenzhen von maximal fünf Tagen. Mehr Infos zu chinesischen Visa findest du hier.

Der Steinwald bei Kunming.

Nach dem Eindunkeln werden die Exponate schön beleuchtet.

Fazit

Ich habe mich mit gemischten Gefühlen entschlossen, dem Park eine Chance zu geben. Zum einen, weil ich an der Qualität der Nachbauten zweifelte, zum anderen aber auch, weil der Eintrittspreis mit derzeit 200 Yuan schmerzhaft hoch ist.

Am Ende war ich aber froh, dass ich einen ganzen Tag im Park verbracht habe. Obwohl ich vieles schon kannte, erlaubten die verkleinerten Nachbauten einen vollkommen anderen Blickwinkel. Zudem entdeckte ich eine Reihe von Sehenswürdigkeiten, die ich mir gleich auf die Liste schrieb.

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3 Kommentare

  1. Ich mag solche Miniaturparks sehr gerne und hatte schon selbst so Aha Erlebnisse wie Du, dass ich in solch einem Park überhaupt erst auf bestimmte Werke aufmerksam wurde. Die kamen dann auch gleich mit auf die Reise-ToDo.

    Klar, nicht alles passt perfekt mit dem Original überein und vieles wird auch mal zu kitschig dargestellt, aber als erster Eindruck oder zum herholen von Erinnerungen, sind solche Parks ideal.

    Viel Spass noch in Hong Kong!

  2. Hallo Oliver, danke für den Beitrag, was für eine geniale Idee! Ich erinnere mich an den Besuch dieses Parks, als ich ein Kind war, vor vielen Jahren auf einer Reise nach China mit meinen Eltern. Überrascht zu sehen, dass es immer noch da ist!

    1. Hi Inga,
      ja, den Park gibt es schon länger. Ich finde aber, dass man ihm sein Alter eigentlich nicht ansieht. Auf jeden Fall eine gute Art, um einen Tag in Shenzhen zu verbringen.
      Gruss,
      Oliver

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