China Kinder: Moderne Rebellen in einer alten Welt – hier menschelt es zwischen den Buchdeckeln. Fotos: OZ

Für viele sind die Begegnungen mit den Menschen vor Ort so etwas wie das Elexir des Reisens. In der soeben erschienen Portaitsammlung „China Kinder“ kannst du von ihm kosten, ohne den Sessel verlassen zu müssen. Eine Leseempfehlung für Philanthropen.

Als ich noch in China lebte, spukte regelmässig ein Buchprojekt in meinem Kopf rum. Die Idee war, gewöhnliche Menschen aus allen Landesteilen und Gesellschaftsschichten zu portraitieren. Sie sollten von ihren Nöten und Sorgen erzählen, aber auch von ihren Wünschen und Träumen.

Mir schwebte ein Sammelsurium vor, das zeigt, dass China eben nicht nur aus Wanderarbeitern, korrupten Parteimitgliedern und unverschämten Neureichen besteht, sondern ein Land mit unglaublich vielen Facetten ist.

Vor einigen Wochen ist genau dieses Buch beim Conbook-Verlag erschienen. Es heisst: „China Kinder – moderne Rebellen in einer alten Welt“. Auf rund 400 Seiten schildern 30 junge Chinesen ihre höchst unterschiedlichen Lebenswelten.

Und bei der Lektüre wurde ich nicht etwas neidisch, dass mir andere Autoren mit der Idee zuvorgekommen sind. Nein, ich war schlicht begeistert, wie vielseitig die Geschichten ausgefallen sind und wie geschickt die Autoren Hintergrundwissen vermitteln.

Ehrgeiz, Training und der E-Sport

Die von Xia Heng zum Beispiel. Der 21-Jährige hat sich das zum Beruf gemacht, was für viele nur ein Hobby ist: Computer spielen. Jeden Tag verbringt er 16 Stunden vor dem Bildschirm und kämpft mit der Maus gegen Drachen und andere Bösewichte.

Da er einmal zu den besten „E-Sportlern“ des Landes gehören will, gönnt er sich keine Wochenenden. Hartes Training zahlt sich aus: Ein Top-Spieler verdient jährlich umgerechnet mehr als eine Million Euro pro Jahr. Wenn Mitte 20 die Reflexe langsamer werden, braucht sich ein erfolgreicher Spieler kaum Sorgen um die Zukunft zu machen.

Seine Wettkämpf werden im Internet übertragen. Dabei schauen auch viele junge Mädchen zu, erzählt der 21-Jährige. Manche von ihnen würden sich hin und wieder in ihn verlieben. Aber das sei wohl in jedem Bereich so, wenn man eine gewisse Bekanntheit erreicht hat.

Die 30 Portraitierten sind jeweils auf einem ganzseitigen Foto zu sehen.

Moderne Rebellen in einer alten Welt

Xia Heng ist nur einer von 30 jungen Chinesen, denen „China Kinder – Moderne Rebellen in einer alten Welt“ eine Stimme verleiht. Da ist zum Beispiel der Gehbehinderte Yan Yuqiao, der bei einem landesweit ausgetragenenen Fernseh-Schreibwettbewerb mitmacht und bei einer schwierigen Redewendung nicht weiss, wie sie zu schreiben ist.

Da ist die junge Studentin, die in der Jugendherberge von Langmusi arbeitet und gespannt den Gästen zuhört, die von ihren Reisen und Abenteuern erzählen. Der grosse Traum der 24-Jährigen ist es, per Anhalter nach Lhasa zu reisen.

Da ist die Gruppe von Freunden, die eine App entwickelt haben, um in China Crowdfunding zu erleichtern, und die mehrmals kurz vor dem Konkurs standen. Es gehe ihnen nicht ums Geld, sagt der junge Idealist. Sie wollen ein neues Denken nach China bringen, das Land weiter entwickeln.

Der Generationskonflikt im Buchformat

Was die Lektüre so spannend macht, ist das Spannungsfeld, in dem die junge Generation in China versucht, die eigenen Träume zu verwirklichen. Konservative Eltern wollen nämlich, dass ihre Kinder fleissig lernen, damit sie später erfolgreich sind und ihnen einen sicheren Lebensabend bieten können.

Junge Menschen stellen die traditionellen Wertvorstellungen zunehmend in Frage. Sie wollen sich selbstverwirklichen, etwas Eigenes aufbauen und die Welt verändern – oder sie wenigstens bereisen. Trotzdem begehren viele nicht direkt gegen ihre Eltern auf, wie das bei uns zum Beispiel in der 68ern geschehen ist.

Auch wenn sich dieser Wertewandel bei jedem auf eine andere Weise zeigt, versuchen doch die meisten einen Weg zu finden, den gesellschaftlichen Druck mit den eigenen Wünschen zu verbinden und sich irgendwie mit der Situation zu arrangieren.

Wenn das Buch eines zeigt, dann vor allem, dass die Menschen in China nicht einfach die fremdgesteuerte Masse sind, als die wir Westler sie uns gerne vorstellen. China ist ein Land mit Menschen, die ihre Zukunft mitgestalten wollen und dies – wenn dieser Wunsch gross genug wird – auch irgendwann tun können.

Das ist eigentlich eine gute Aussicht.

Gewinnspiel: So gewinnst du

Weil mir das Buch so gut gefallen hat, habe ich den Verlag um ein zweites Exemplar gebeten, das ich unter den Lesern von Sinograph verlosen kann. Dank des Conbook-Verlags kannst du mit etwas Glück schon bald „China Kinder“ dein eigen nennen.

Was musst du dafür tun? Ich möchte von dir eine Geschichte hören über die Menschen, denen du auf einer Deiner Reisen begegnet bist. Es muss nicht zwingend eine Anekdote aus China sein, aber es wäre natürlich schön. Ein paar wenige Sätze reichen.

Die Antwort kannst du entweder direkt am Ende dieses Beitrags als Kommentar hinterlassen, oder du kannst diesen Beitrag auch hier auf Facebook kommentieren. Für jeden Kommentar geht ein Los in den Topf. Kleiner Tipp: Wenn du sowohl hier wie auf Facebook kommentierst, verdoppelt sich deine Chance.

Teilnahmeschluss ist der 21. April. Benachrichtigt wirst du über die Mailadresse bzw. das Facebook-Profil, mit der/dem du kommentiert hast. Erhalte ich nicht innerhalb einer Woche deine Postanschrift, findet eine zweite Verlosung statt. Achtung: Das Buch kann nur an Adressen in Deutschland, Österreich, Schweiz oder Liechtenstein verschickt werden.

Das Buch “China Kinder – Morderne Rebellen in einer alten Welt“ von Jörg Endriss und Sonja Maass erschien im März 2017 im Conbook-Verlag. Bestellt werden kann das Werk mit 432 Seiten für rund 13 Euro über Amazon.

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12 Kommentare

  1. Hallo Oliver,
    Das klingt nach einem tollen Buch. Zwar nicht in China aber kurz nach meinem Aufenthalt dort in Südkorea sind mein Freund und ich in der UBahn in Seoul von einem ca. 70-jährigen Herrn angesprochen worden. Er erzählte uns in sehr gutem Deutsch, dass er in den 60er Jahren als Bergarbeiter nach Deutschland gekommen sei und dort einige Jahre gelebt habe. Seine Frau habe in Deutschland als Krankenschwester gearbeitet. Zurück in Korea haben sie dann den „Verein der nach Deutschland entsandten Bergleute und Krankenschwestern“ gegründet. Einige Stationen lang haben wir uns sehr intensiv unterhalten. Kurz vor der Endstation gab er uns seine Visitenkarte und lud uns auf ein Bier zu sich nach Hause ein. Seine Frau und er würden sich freuen, endlich mal wieder deutsch zu sprechen.
    Das war eine wundervolle Begegnung für mich, zumal ich mich in meinem Studium mit Migration und der Geschichte der so genannten Gastarbeiter intensiv beschäftigt habe.
    Jetzt möchte ich gern das Buch gewinnen 😉
    Gruß, Jule

    1. Hallo Julia,
      das ist eine tolle Geschichte. Ich wusste gar nicht, dass es koreanische Gastarbeiter in Deutschland gab. War das eine grössere Migration oder sind das eher Einzelfälle?
      Gruss,
      Oli

  2. Hi Oliver, habe gerade auf Facebook diesen Buchvorschlag gelesen. Bislang kenne ich nur eine Geschichte (die meiner Frau). Ich bin schon sehr gespannt weitere Eindrücke zu gewinnen. Sind es denn alles extreme – oder gibt es auch ein/zwei normaltypische Werdegänge in dem Buch (obwohl, was kann man schon als „normal“ bezeichnen bei so vielen Menschen, Kulturen, Schichten, …)

    1. Hi Marcus,

      nun machst du mich aber neugierig, mit wem du verheiratet bist. Deine Seite xuexizhongwen.de kenne ich übrigens schon seit etwa zehn Jahren. 🙂

      Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Ein paar Biographien sind eher ungewöhnlich, aber ich fand auch viele im Rahmen dessen, was ich auch aus meinem persönlichen Bekanntenkreis kenne. Ich würde daher sagen, dass sich die Normalität vielleicht gerade in der Vielseitigkeit zeigt.

      Gruss,
      Oli

      1. Hi Oli,

        meine Frau ist 77 geboren, in chinesischen Schulen wie man sie sich so vorstellt gegangen (mit strengem Lehrer, viel im Chor nachplappern, dem Lehrer Geschenke geben, damit man nicht vernachlässigt wird, …). Um an eine weiterführenden Schule in einem anderen Stadtteil gehen zu können (weil besserer Ruf), wurde sie kurzerhand in das Hukou eines Freundes der Eltern als deren Kind eingetragen (da steht sie heute noch drin. Wir mussten erst das Hukou dieser Familie besorgen, um heiraten zu können). Nach ihrem Modedesign-Studium hat sie deutsch gelernt, um zwei Jahre Auslandserfahrung (zwei Gastjahre an deutschen Unis) dranzuhängen. Kennengelernt haben wir uns über Freunde in China.

        Zu Xuexizhongwen.de – damals als du die Seite kennengelernt hast war sie noch vom Oliver. Ich führe sie erst seit 2011. Schön, dass sie dir im Kopf geblieben ist.

        Das Buch klingt spannend, wandert auf jeden Fall in mein Bücherregal – ob als Gewinn oder nicht 😉

        LG,
        Marcus

        1. Ich habe das wohl falsch verstanden. Ich dachte bei deinem letzten Beitrag, dass deine Frau eine von den 30 Personen ist, die portraitiert wurden.

          In einer Woche findet die Verlosung statt. Noch sind es recht wenige Teilnehmer (vielleicht etwas mehr als zehn einschliesslich Facebook). Die Chancen stehen als gut, dass es bei dir auf dem Bücherregal landet.

          Gruss,
          Oli

  3. Tolles Buch, tolles Gewinnspiel! Da mach ich doch gleich mit 🙂

    Vor einiger Zeit war ich mit meinem Freund in Tokyo unterwegs. Es regnete ein wenig, aber es war nicht kalt also störte uns der Regen nicht. Ich ging mit Tshirt und Shorts raus und fror nicht einmal. Kaum hatten wir das Hotel verlassen gab uns eine fremde ältere Frau ihren Schirm nur damit wir nicht mehr ohne rumlaufen „mussten“. Wir kannten uns nicht, trotzdem machte sie uns dieses Geschenk! Da erinnere ich mich immer wieder gern dran. Ich glaube das ist nicht die einzige Anekdote die mir einfällt, aber die andere ist eher situationskomik. Also belasse ich es bei dieser.

    LG, Nao

    1. Eine schöne Geschichte! Mir ist auch mal so was in Bangkok passiert. Ich war auf dem Weg vom Flugplatz in die Stadt und fragte an der Busstation jemanden nach dem richtigen Weg. Der Mann bestand dann darauf, mich zur Busfahrt einzuladen. Schliesslich sei ich Gast in seinem Land. Auch wenn das Geschenk nur etwa 5 Cents wert war, hab ich mich trotzdem gefreut.

  4. Meine spannendste Begegnung war mit einem Minister eines Landes, das es aus der Landkarte nicht gibt und mit ihm über Politik zu reden.

  5. Hallo Oli! Ich war leider noch nie in China, finde das Buch aber unheimlich spannend und möchte daher von einer Begegnung in Japan erzählen.
    Die meisten Japaner waren uns gegenüber sehr zurückhaltend, weil sie sich nicht trauten, englisch zu sprechen (wir können leider kein japanisch). Auf einem Parkplatz in einem recht schäbigen Vorort von Kyoto kam aber spät abends ein Mann zu unserem Campervan und fing ein Gespräch über Gott und die Welt an – weil er englisch üben wollte. Er sprach zwar kaum ein Wort, gab sich aber solche Mühe, dass wir mit Hilfe von Google Translate viel Spaß hatten. Er war zwar etwas nervig, hat aber unser Klischeebild vom zurückhaltenden Japaner über den Haufen geworfen 😉

    LG, Jenny

    Ps: Schaue gerade auf die Uhr – ui, fast 12! Das war knapp.

    1. So knapp und erst noch gewonnen! Wow! Glückwunsch, Jenny!

  6. Liebe TeilnehmerInnen,

    ich freue mich, heute anzukünden, wer das Buch gewonnen hat. Aber zuerst ein paar Worte dazu, wie die Verlosung abgelaufen ist.

    Insgesamt haben 17 Personen an ihr teilgenommen (12 auf Facebook und 5 über den Blog). Es freut mich, dass sich so viele für das Buch interessiert haben.

    Ich habe jeden Namen auf ein Zettelchen geschrieben, sie gefaltet und in die Pralinenschachtel gelegt, die ich während der Vorbereitung leer gegessen habe. (Ja, für ein Gewinnspiel braucht man Energie!) Nachdem ich alles ein bisschen geschüttelt und gerührt habee, zog ich einen Zettel und das drauf stand:

    JENNY.

    Herzlichen Glückwunsch! Ich kontaktier dich später wegen der Adresse.

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