Bloggen in China: Im Reich der Mitte gelten besondere Herausforderungen. Foto: O. Zwahlen

Bloggen in China: Im Reich der Mitte gelten besondere Herausforderungen. Foto: O. Zwahlen

Du möchtest für eine Weile in China leben und von dort aus deine Bekannten mit einem Blog informieren? Dann ist dieser Text für dich. Denn das Bloggen in China stellt dich vor besondere Herausforderungen.

Vor einigen Tagen hat mich ein Leser gefragt, wie er am besten in China einen Blog betreiben kann. Der Hintergrund der Frage war natürlich die chinesische Zensur. Da das ganze Thema etwas komplexer ist, habe ich mich entschlossen, ihm gleich mit einem eigenen Artikel zu antworten. Ich hoffe, dass der Text auch für den einen oder anderen Leser hilfreich ist.

Also: Zunächst einmal solltest du dir als angehender Blogger klar werden, was überhaupt dein Ziel ist. Möchtest du Freunde und Bekannte auf dem Laufenden halten oder eher eine professionelle Informationsseite zu einem bestimmten Thema betreiben wie beispielweise sinograph.ch.

Wenn du dich an eine allgemeine Leserschaft halten möchtest, empfehle ich dir, im Anschluss noch meine Tipps für ein erfolgreiches Bloggen zu lesen, wo ich meine Erfahrungen aus zwei Jahren Bloggen zusammenfasse. In diesem Artikel geht es ausschliesslich um die Besonderheiten des Bloggens in China.

Fertigpakte: Vor- und Nachteile

In den meisten Foren und Blogs über das Bloggen wirst du den Tipp erhalten, bei einem professionellen Bloghost ein Fertigpaket einzurichten. Bekannt sind hier vor allem Blogger.com und WordPress.com. Wenn du einen eher bildlastigen Blog erstellen willst, ist unter Umständen auch tumblr.com eine Option für dich.

Der Vorteil dieser Lösungen: Sie sind komplett kostenlos und du brauchst dich nicht um die Installation und andere technische Dinge zu kümmern. Trotzdem hast du die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Designs ein Aussehen auszuwählen, das zu deinem Thema passt und du kannst auch die Funktionalität der Seite deinen Bedürfnissen anpassen. Einfacher geht es kaum.

Diese Lösungen haben jedoch zwei grundsätzliche Nachteile. Zunächst einmal kannst du nicht an den Code gelangen, so dass etwas komplexere Anpassungen nicht möglich sind. Daher kommen sie für die meisten ambitionierten Blogger nicht in Frage. Das zweite und meiner Meinung nach grössere Problem ist jedoch, dass alle Blogs, welche über diese beiden grossen Anbieter laufen, in China gesperrt sind.

Zwar kannst du mit einem VPN wie zum Beispiel ExpressVPN die Zensur problemlos umgehen und deinen Blog aufsetzen und nutzen. Aber bei einer solchen Lösung schliesst du all deine chinesischen Freunde und Bekannte aus, die möglicherweise selber keinen VPN nutzen. Zudem wird das Internet etwas langsamer, wenn du einen VPN verwendest. Die Kosten selber spielen keine so grosse Rolle, da du in China früher oder später ohnehin einen VPN brauchst. Tumblr ist derzeit nicht gesperrt.

Falls Dir die Nutzung eines VPNs nicht zusagt, hast du auch die Möglichkeit, auf einen kleineren Anbieter zurückzugreifen, der nicht gesperrt ist. Für ein Auslandsjahr passend ist womöglich der Host auslandsblog.de. Die Seite ist ziemlich einfach zu bedienen, scheint zuverlässig zu funktionieren, bietet allerdings recht wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Es gibt noch eine Reihe weitere ähnlicher Anbieter, die ich selber nie ausprobiert habe. Über Tipps und Empfehlungen in den Kommentaren freue ich mich.

Selbst gehostete Blogs

Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Blog selber zu hosten. Die Vorteile sind offensichtlich: Du hast keine Probleme mit der Zensur und uneingeschränkte Gestaltungsfreiheit. Nachteile sind, dass diese Lösung eine Kleinigkeit kostet (günstige Angebote findest du ab etwa 40 Euro pro Jahr) und dass du entweder minimale technische Kenntnisse benötigst, oder jemand brauchst, der die hilft, den Blog aufzusetzen.

Willst du einen selber gehosteten Blog, musst du dir bei einem Serveranbieter ein Paket kaufen. Für weltreiseforum.com nutze ich hostpoint.ch, empfehle das aber wegen den vielen Ausfällen und des hohen Preises nicht unbedingt. Sinograph.ch läuft bei Speicheranbieter.de. Hier habe ich bisher kaum Ausfälle feststellen können, allerdings musst du bei dem Lowcost-Anbieter an sich selbstverständliche Leistungen wie ein automatisches Backup kostenpflichtig dazu buchen.

Hör dich bei Bekannten und Freunden um, welche Anbieter gerade die besten Pakete anbieten, da sich dies ständig ändert. Wichtig ist, dass dein Server PHP unterstützt und mindestens eine Datenbank dabei ist. Mittlerweile ist das aber ohnehin Standard.

Hast du dich für einen Host-Anbieter entschieden, geht es darum eine passende Domain für deine Seite zu finden.  Das ist der Name, unter dem man deinen Blog später im Netz auffindet. Da die Domain mehr oder weniger das Einzige ist, was du später nicht mehr ändern kannst, solltest du dir etwas Zeit lassen, bis du dich für einen Namen entscheidest. In der Regel suchst du dir gleich beim Registrieren deines Webspaces die passende Domain aus.

Der nächste Schritt ist, eine passende Forensoftware auf deinem Server zu installieren. Am beliebtesten ist die Blogsoftware WordPress, welche du hier runterladen kannst. Ich nutze sie auf meinen beiden Blogs selber und bin begeistert, wie einfach alles aufgebaut ist und trotzdem eine maximale Gestaltungsfreiheit zulässt.

Anleitungen findest du im Internet in Hülle und Fülle. Solltest du mit der Installation nicht klarkommen, kannst du mir kurz ein Mail schreiben und ich helfe dir dabei gerne gegen einen kleinen Obolus, deinen Blog zum Laufen zu bringen.

Chinesische Lösungen: keine echte Alternative

Natürlich kannst du deinen Blog auch in China hosten. Ich habe das vor einiger Zeit mit einer chinesischen Bekannten von mir, die selber Reisebloggerin werden wollten, durchrecherchiert. Am Ende hat sie sich dafür entschieden, diese Variante aufzugeben und einen Webserver in den USA anzumieten.

Der Grund dafür: Um in China eine Website betreiben zu dürfen, benötigst du eine Lizenz, die gemäss unserer Recherche jedoch nur von Firmen, nicht aber von Privatpersonen beantragt werden kann. Die Nummer der Lizenz muss anschliessend auf der Seite sichtbar sein.  Das ist das ISP, welches du auf chinesischen Websites jeweils unten siehst.

Es gibt natürlich auch die chinesischen Varianten von Blogspot und Co. Allerdings verfügen diese nur über eine chinesische Benutzeroberfläche und sind damit ohne entsprechende Sprachkenntnisse nicht sinnvoll nutzbar. Zudem vermute ich, dass du dich bei der Registrierung irgendwie identifizieren musst und es ist gut möglich, dass ausländische Pässe abgewiesen werden. Das habe ich allerdings nicht selber ausprobiert.

Fazit

Wenn du wenig technische Erfahrung hast, empfehle ich dir, dir einen guten VPN (siehe hier: die wichtigsten Tipps zu VPNs in China) zuzulegen und auf einen der beiden grossen Anbieter zurückzugreifen. Bist du etwas ambitionierter, solltest du einen selbst gehosteten Blog erwägen. Chinesische Lösungen sind keine brauchbare Alternative.

Bist du neu hier? Dann schau dir hier an, was Sinograph bezweckt. Wenn du auf der Suche nach weiteren technischen Tipps rund um China bist, dann schau dich hier in der Rubrik Digital um. Und vergiss nicht, Facebookfan von Sinograph zu werden.

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2 Kommentare

  1. Das ist so ein Artikel, auf den ich in Zukunft bestimmt mal verweisen werde. Diese Fragen tauchen ja öfter auf 😉

    Ich habe damals das kostenlose WordPress.com gewählt, weil der Blog nur für Freunde und Verwandte sein sollte. Heute würde ich WordPress.org wählen und selber hosten, so wie du.

    Die chinesischen Blogs sind echt keine Alternative, wir hatten das vor einem Jahr oder so für meinen Mann auch durchrecherchiert. Ich glaube, zumindest soweit ich mich erinnere, man hätte sich mit einer Handynummer registrieren können, vermutlich nur mit einer chinesischen…

    1. Hallo Shaoshi,

      vielen Dank fürs Lob. 🙂

      An deiner Stelle würde ich mir ohnehin überlegen, ob dich nicht noch auf einen selbst gehosteten Blog umsteigen willst. Das ist zwar ein bisschen Arbeit, aber ich denke dass sich das am Ende doch für dich auszahlt.

      Dass eine chinesische Handynummer reichen könnte, ist gut möglich. Die müssen ja alle auf eine Person registriert sein, so dass sich da leicht nachvollziehen lässt, wer den Blog betreibt.

      Gruss,
      Oli

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